Quartalszahlen

Dicke Lippe riskieren rechnet sich für Oracle

Mit markigen Sprüchen unter anderem gegen SAP macht Oracle-Chef Larry Ellison von sich reden. Jetzt machen auch die sensationellen Quartalszahlen Furore. Doch noch hat das Unternehmen mindestens eine Schwäche.
Update: 21.09.2011 - 06:08 Uhr Kommentieren
Oracle macht den Gewinn-Überflieger. Quelle: dapd

Oracle macht den Gewinn-Überflieger.

(Foto: dapd)

Redwood ShoresDer weltweit drittgrößte Software-Konzern Oracle macht seinem deutschen Rivalen SAP zu schaffen. Das Oracle-Management feiert Marktanteilsgewinne in Europa und legte auch deswegen eine optimistische Geschäftsprognose vor. Investoren reagierten erfreut: Der Oracle-Aktienkurs zog am Dienstag nachbörslich um drei Prozent an.

„Wir haben ein solides Quartal in Europa hinter uns“, sagte Konzernpräsident Mark Hurd. Es handele sich eher um eine Oracle-spezifische als eine allgemeine Entwicklung. „Wir stellen in Europa Personal ein“, sagte Hurd. Zuletzt hatten schwache Investitionserwartungen für neue Produkte die Technologiebranche aufgeschreckt. Konzerne wie Dell und Cisco senkten ihre Gewinnprognosen. Regierungen reduzierten zuletzt ihre Ausgaben, um Schuldenberge abzubauen, und Unternehmen schnallen in Zeiten unsicherer Wirtschaftsaussichten den Gürtel enger.

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Der Software-Konzern SAP ist ein 1,3 Milliarden Dollar schweres Problem los: Eine Richterin im kalifornischen Oakland hat die Höhe des Schadenersatzes kassiert, den die Walldorfer wegen Datenklaus an ihren US-Erzrivalen Oracle zahlen sollten. Der Betrag sei "extrem übertrieben", stellte Richterin Phyllis Hamilton am Donnerstag fest. Vor acht Monaten hatte eine Geschworenenjury SAP zu der Milliardenstrafe verurteilt. Jetzt wurde die Summe drastisch gesenkt.

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Statt 1,3 Milliarden Dollar muss SAP (im Bild die Firmenzentrale in Walldorf) noch 272 Millionen Dollar (191 Millionen Euro) an Oracle zahlen. Ursprünglich hatte Oracle vor dem Geschworenengericht im kalifornischen Oakland rund vier Milliarden Dollar gefordert.

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Der Anlass des Rechtsstreits liegt schon Jahre zurück: SAP war mit der Übernahme der Software-Wartungsfirma TomorrowNow 2005 in den Schlamassel geraten. Mitarbeiter von TomorrowNow hatten im großem Stil unrechtmäßig Updates bei Oracle heruntergeladen. Oracle klagte 2007 mit dem Vorwurf des Datendiebstahls, bekam im November 2010 Recht.

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Das Streitobjekt TomorrowNow wurde 1998 als Service-Dienstleister für Unternehmenssoftware der Firma PeopleSoft gegründet, später betreute das Unternehmen auch die Software weiterer Firmen. Im Januar 2005 kauft SAP TomorrowNow auf. Doch auch Larry Ellison war nicht untätig.

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Oracle erwarb im September 2005 die Firma Siebel. Seit dem gehörten alle Firmen, die von TomorrowNow betreut wurden, zu Oracle. So erhielt das SAP-eigene Unternehmen Zugang zu Oracle-Daten. Über diese Verbindung soll TomorrowNow immer wieder unerlaubt Daten von einer Oracle-Website zur Kundenbetreuung heruntergeladen haben. SAP hat das Unternehmen 2008 geschlossen.

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Europas führender Softwarekonzern setzte im Geschäftsjahr 2010 12,46 Milliarden Euro um, was einem Plus von 16,8 Prozent gegenüber 2009 entspricht. Der Gewinn belief sich auf rund vier Milliarden Euro. Noch Ende Juli hatte SAP bekräftigt, für 2011 ein um Währungseffekte bereinigtes Betriebsergebnis von 4,45 bis 4,65 Milliarden Euro anzustreben.

Dietmar Hopps Fußballstadion in Heidelberg an der Autobahn 5
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Das Urteil freut nicht nur Firmengründer Dietmar Hopp. Während der DAX am Freitag Morgen um rund zwei Prozent ins Minus rutschte, gab die SAP-Aktie anfangs nur rund 0,3 Prozent nach, drehte danach sogar ins Plus.

Oracle gibt stets rund einen Monat vor seinen Konkurrenten Einblick in die Geschäfte. Die Zahlen werden deswegen stets mit besonderer Aufmerksamkeit bedacht. Diesmal äußerten sich Analysten positiv überrascht über den Quartalsbericht. „Der Ausblick sieht ausgezeichnet aus“, sagte Richard Davis von Canaccord Genuity. „Wir werden sehen, wie sie es umsetzen, aber bislang sind sie in guter Form.“

Im wichtigen Geschäft mit neuen Software-Lizenzen erwartet Oracle einen Umsatzanstieg von sechs bis 16 Prozent im laufenden Geschäftsquartal. Im vergangenen erreichte der Konzern ein Plus von 17 Prozent, während Analysten im Schnitt mit lediglich 15 Prozent gerechnet hatten. Neue Lizenzen gelten als Indikator für künftiges Wachstum, weil Kunden in der Regel mit den Programmen Wartungsverträge unterzeichnen und damit weitere Umsätze garantieren.

Im Vierteljahr per Ende August legten die Konzernerlöse um zwölf Prozent auf 8,37 Milliarden Dollar zu. Der Nettogewinn sprang um rund 36 Prozent auf 1,84 Milliarden Dollar. Im laufenden Quartal soll ein Ergebnis je Aktie vor Sonderposten von 56 bis 58 Cent erzielt werden. Die Prognose ist etwas optimistischer als die von Branchenexperten, die bei 56 Cent liegt.

Einen Wermutstropfen gab es im Hardware-Geschäft. Seit der Übernahme von Sun Microsystems im vergangenen Jahr verkauft Oracle auch Server-Computer. Der Hardware-Umsatz ging im Quartal um ein Prozent auf 1,67 Milliarden Dollar zurück. Die maue Entwicklung dürfte sich in den laufenden drei Monaten fortsetzen, sagte Oracle voraus. Es könne zu einem erneuten Rückgang von bis zu fünf Prozent kommen.

  • dpa
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