Quartalszahlen
HP verliert weniger als erwartet

Der Computerbauer Hewlett-Packard verliert Milliarden - freut sich aber. Dass die Bilanz nicht so düster aussieht wie von Analysten erwartet, ist auch einer radikalen Entscheidung im Geschäft mit Tablets zu verdanken.
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San FranciscoZeit zum Luftholen für die neue Vorstandschefin Meg Whitman, aber keine Entwarnung: Mit einem besser als erwarteten 4. Quartal 2011 überraschte Hewlett-Packard am späten Montag die Wall Street. Sowohl Umsatz als auch Ergebnis lagen über den düsteren Schätzungen der Analysten. Die Aktie zog nachbörslich in New York spürbar an, obwohl Whitman gleichzeitig für 2012 ein erneutes schwieriges Jahr in Aussicht stellt.


Eines wollte die neue Chefin des größten IT-Konzerns der Welt direkt klarstellen: „Wir entwickeln Software, um Werte für unsere Kunden zu schaffen“, erklärte Meg Whitman im Gespräch mit Analysten, „und nicht, um HP zu einem Softwarekonzern zu machen.“ Damit setzte sie zumindest verbal einen Schlussstrich unter die Ära Léo Apotheker.

Weiter versprach sie Aktionären und Analysten Ruhe nach den jüngsten turbulenten Zeiten: „Keine Überraschungen mehr!“ Es werde in absehbarer Zeit, zumindest in 2012, keine größeren Akquisitionen mehr geben. Gleichzeitig räumte ein: „Wir haben alles, was wir brauchen, aber wir nutzen es nicht genug aus.“ Das soll jetzt anders werden, der Fokus werde im kommenden Jahr auf einer klaren Strategie und einer Rückbesinnung auf die Optimierung der Kerngeschäftsbereiche liegen.


Der Umsatz im abgelaufenen Quartal lag nach Bilanzierungsstandard GAAP lag mit 32,1 Milliarden Dollar um 3,5 Prozent unter dem Vorjahreswert von 33,3 Milliarden Dollar, aber Analysten hatten stärkere Einbrüche befürchtet. Der Gewinn pro Aktie nach GAAP brach hingegen dramatisch um 89 Prozent auf 0,12 Dollar ein.

Zahlreiche Sonderbelastungen, unter anderem die Schließung der Sparte für Tablet-PC und Smartphones mit webOS, waren zu verkraften. Nur der Ausflug in den Tablet-Markt alleine schlug mit insgesamt 788 Millionen Dollar zu Buche. Auf Palm, eine Akquisition in 2009 für rund 1,2 Milliarden Dollar, wurden fast 900 Millionen Dollar abgeschrieben. Das Experiment webOS ist damit gescheitert. Spekulationen über eine Wiederbelebung unter Whitman haben sich nicht bewahrheitet. HP versucht seit längerem Lizenznehmer für ihr Betriebssystem zu finden oder die Software insgesamt zu verkaufen.


Auch unter Ausklammerung von Sondereffekten lag HP jedoch weiter im Abwärtstrend: Pro Aktie errechnet sich so ein Ertrag von 1,17 Dollar. Im Vorjahresquartal waren es 1,33 Dollar. Erwartet hatten Analysten allerdings im Schnitt ein Absacken bis auf auf 1,13 Dollar.


Eine Stagnation beim Nettoumsatz und ein deutliches Minus beim Ertrag pro Aktie zeigt das Bild für das gesamte Finanzjahr. Mit 127,2 Milliarden Dollar wurde ein hauchdünnes Plus im Umsatz von ein Prozent gerettet. Der Nettogewinn, jeweils nach GAAP, sank um 19 Prozent auf 7,1 Milliarden Dollar.

Die umsatzstärksten Sparte „Personal Systems Group“, in der das PC-Geschäft integriert ist, fiel mit 11,12 Milliarden Dollar im vierten Quartal 2011 um weitere zwei Prozent zurück. Meg Whitman Vorgänger Léo Apotheker wollte die Sparte ausgliedern, war jedoch unter anderem über dieses Vorhaben gestürzt und wurde entlassen. Seine Nachfolgerin will das PC-Geschäft nun behalten und sanieren.

Erneut am schärfsten unter Druck stand das Privatkundengeschäft mit einem Minus von neun Prozent im Umsatz. Der Nettogewinn kommt leicht von 568 auf 576 Dollar gesteigert werden. Hier macht sich unter anderem die radikale Einstellung des verlustreichen Tablet-Geschäfts positiv bemerkbar. Allerdings war dies eine zweischneidige Entscheidung: Auf der einen Seite wird das Ergebnis entlastet, auf der anderen allerdings ist HP momentan von einem wichtigen Zukunftsmarkt ausgeschlossen.


Ein schwieriges Bild zeichnet sich in Thailand ab: „Das wird ziemlich hart für die Branche“, erklärte Whitman mit Blick auf den Ausfall signifikanter Fertigungskapazitäten für Festplatten. Andere Hersteller, darunter Apple, hatten zuvor ebenfalls von möglichen Engpässen bei Festplatten für PC und Laptops gesprochen.


Für das laufende erste Quartal des neuen Geschäftsjahres 2012 ist der Zielkorridor für den Gewinn pro Aktie nach GAAP jetzt 0,61 bis 0,64 Dollar. Für das gesamte Finanzjahr 2012 werden nach GAAP rund 3,20 Dollar pro Aktie angepeilt, nach 3,32 Dollar in 2011 und 3,69 Dollar im Finanzjahr 2009.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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