Quartalszahlen
iPhone katapultiert Apple in den Ertragshimmel

Apple trotzt der Wirtschaftskrise weiterhin mit kräftigem Wachstum und das hat der US-Technologiegigant vor allem seiner Cash-Cow, dem iPhone, zu verdanken. Das Unternehmen mit dem Apfel steigerte Umsatz und Gewinn mehr als deutlich und übertraf erneut die Erwartungen der Analysten, selbst die eigenen Schätzungen.

DÜSSELDORF. Krise? Welche Krise? Mit einem Quartalsumsatz von 8,34 Mrd. Dollar, einem Plus von 11,7 Prozent zum Vorjahresquartal, und einem Nettogewinn von 1,23 Mrd. Dollar im dritten Geschäftsjahresquartal (verglichen mit 1,07 Mrd. Dollar) übertraf Apple erneut die Erwartungen der Analysten und die eigenen Schätzungen. Die Aktie des Computer- und Smartphone-Unternehmens stieg nachbörslich deutlich an. Vor allem eine massive Nachfrage nach dem neuen iPhone 3G S im Quartal zum 27. Juni 2009 sorgte für das gute Ergebnis, laut Apple das beste Nicht-Weihnachtsquartalsergebnis der Unternehmensgeschichte. Der verwässerte Gewinn pro Aktie lag bei 1,35 Dollar. Analysten hoben in ersten Stellungnahmen vor allem die erneut auf 36,3 Prozent gestiegene Bruttoertragsmarge hervor. Im Vorjahresquartal waren es noch 34,8 Prozent und Apple selber hatte nur rund 33 Prozent vorhergesagt. Apple muss demnach immer noch nur einen geringen Teil seiner eigenen Einkaufs- und Kostenvorteile an die Kunden weitergeben.

Der Silicon-Valley-Pionier verkaufte rund 2,6 Mill. Macintosh-Computer, rund vier Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der Verkauf von Desktop-Rechnern brach jedoch weiter in Umsatz und Stückzahlen ein, während Laptop-Rechner in Stückzahlen (1,754 Mill. Nach 1,55 Mill.) zulegen konnten. Der Umsatz mit Laptop-Rechnern ging allerdings ebenfalls von 2,237 Mrd. Auf 2,2 Mrd. Dollar zurück. Apple muss hier dem massiven Preiskampf im PC-Sektor und den erfolgreichen Netbooks Tribut zollen.

Der Verkauf von iPods sank um sieben Prozent auf 10,2 Mill. Stück. Offenbar wird der Musikspieler immer stärker durch das iPhone, ein Smartphone mit integriertem iPod ersetzt. In den USA hatte Apple den Preis für das alte iPhone-Modell mit AT&T-Mobilfunkvertrag auf 99 Dollar gesenkt und ein neues, schnelleres Modell eingeführt. Das kultige Mobiltelefon riß das Quartal dann auch fast alleine heraus: Bis Ende Juni wurden rund 5,2 Millionen iPhones verkauft, so CEO Steve Jobs, der nach langer Krankheit erst vor kurzem an die Unternehmensspitze zurückgekehrt ist. Im Vergleich zum Vorjahr ist das ein Plus von 626 Prozent. Der operative Cash Flow im Quartal belief sich auf 2,3 Mrd. Dollar, so Apple CFO Peter Oppenheimer. Für das aktuell laufende Quartal erwartet der kalifornische High-Tech-Konzern jetzt einen Umsatz von 8,7 bis 8,9 Mrd. Dollar und einen Gewinn pro Aktie (verwässert) von 1,18 bis 1,23 Dollar. Der Anteil des Auslandsumsatz betrug zuletzt 44 Prozent.

Der Preiskampf im Computermarkt, unter dem Apple unbestreitbar leidet, gilt jetzt als der größte Unsicherheitsfaktor für das laufende Quartal. In den USA werden regelmäßig für so genannte "Back to School"-Aktionen, gewaltige Rabattschlachten geschlagen, um vor dem neuen Schuljahr Rechner an High-School- und College-Studenten loszuschlagen. Das könnte, fürchten Analysten, Apple angesichts der angespannten Wirtschaftslage vieler amerikanischer Familien zu weiteren markanten Preissenkungen zwingen, wenn sich die generelle Lage nicht bessert. Apple ist laut Gartner nach Dell, Hewlett-Packard und Acer der viertgrößte PC-Hersteller in den USA..

In Übereinstimmung mit den nach GAAP geforderten Bilanzierungsrichtlinien verteilt Apple Umsätze sowie Umsatzaufwendungen für iPhone und Apple TV über deren wirtschaftliche Nutzungsdauer. Das geschieht, weil Software-Upgrades (anders als z.B. beim iPod Touch) kostenlos abgegeben werden. Wäre diese Umsatzverteilung nicht gemacht worden, wären die nicht GAAP-konformen „echten“ Werte für das Quartal 9,74 Milliarden US-Dollar (statt 8,34 Mrd. Dollar) an „bereinigtem Umsatz“ und 1,94 Milliarden US-Dollar an „bereinigtem Netto-Gewinn.“Allerdings muss auch bedacht werden, dass dieser aufgeschobene Umsatzanteil in den kommenden Quartalen die Steigerungsraten auch entsprechend schönt, wenn er dann ausgewiesen wird.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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