Quartalszahlen
Telekom Austria kassiert Jahresprognose

Die schlechte Wirtschaftslage in Osteuropa fordert bei der Telekom Austria (TA) ihren Tribut. Wegen hoher Abschreibungen auf die Töchter in Serbien und Weißrussland fuhr der Konzern im dritten Quartal einen Verlust von 136 Millionen Euro ein. Die Prognose für das Gesamtjahr kann nun nicht mehr gehalten werden.
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HB WIEN. Für den Markt kamen die Nachrichten am Donnerstag völlig überraschend. Im Vorjahresquartal hatte der österreichische Marktführer noch einen Gewinn von 163 Mio. Euro eingefahren.

Als Reaktion auf den Geschäftseinbruch strich die Telekom ihre Jahresziele zusammen. Der Konzern erwartet nun für 2009 nur noch ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 1,8 Mrd. Euro. Analysten rechnen seit Monaten mit einem Ergebnis in dieser Höhe. Bislang hatte die Telekom 1,9 Mrd. Euro angepeilt und immer wieder bekräftigt, dieses Ziel trotz der schwierigen Umstände zu erreichen. Der Konzern habe nun zugegeben, dass die schwächere Wirtschaft und die Währungsverluste ein Problem seien, schrieben die Experten von JP Morgan in einer ersten Reaktion. "Die Änderung der Prognose war absehbar", erklärte auch Harald Weghofer von der UniCredit.

An der Börse verloren die Telekom-Aktien in einem freundlichen Wiener Markt knapp ein Prozent auf 11,49 Euro. Der DJ Stoxx Telekom-Index lag dagegen ein Prozent im Plus.

Zwar konnte die Telekom im abgelaufenen Vierteljahr im Mobilfunkgeschäft 1,5 Mio. Neukunden gewinnen und ihren Kundenstamm damit auf 18,5 Mio. ausbauen. Allerdings verdient der Konzern mit ihnen inzwischen deutlich weniger. Vor allem bei den Osttöchtern in Kroatien, Bulgarien, Slowenien und Weißrussland - früher die Ertragsperlen - herrschte zuletzt angesichts der Wirtschaftskrise ein immenser Preisdruck. Zudem lasten regulatorische Eingriffe und Währungsverluste auf der Bilanz.

Die weißrussische Velcom, zweitgrößter Mobilfunkanbieter des Landes, war erst vor zwei Jahren von der Telekom übernommen worden. Für 70 Prozent der Anteile zahlte sie damals rund 730 Mio. Euro. Nun musste der Konzern 290 Mio. Euro auf die Tochter abschreiben. In Serbien wurden auf die Mobilfunk-Lizenz 62 Mio. Euro abgeschrieben, im Jahr 2006 waren dafür noch rund 320 Mio. gezahlt worden.

Auch andere im Osten tätige Anbieter wie die norwegische Telenor spüren die Krise. Telenor schaffte aber mit harten Einsparungen und weniger Investitionen ein Gewinnplus im dritten Quartal.

Beim inländischen Festnetzgeschäft musste die Telekom erwartungsgemäß Einbußen bei Umsatz und Ergebnis hinnehmen. Im Festnetz verliert der Konzern - wie auch die Deutsche Telekom - seit Jahren Kunden. Der Rückgang hat sich aber verlangsamt. Die Geschäfte mit Breitband-Internet können dies nur zum Teil ausgleichen.

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