Quartalszahlen
Yahoo-Ergebnisse besser als erwartet

Nach dem überraschenden Burgfrieden zwischen Yahoo und dem New Yorker Firmenjäger Carl Icahn war die Frage, ob das führende Internetportal damit im Vorfeld der Ergebnisveröffentlichung am Dienstag gut Wetter machen wollte. Der Korb für das zweite Quartal hing bereits tief und die jüngsten Enttäuschungen bei Google und Microsoft ließen wenig Gutes erwarten. Die schlimmsten Befürchtungen erfüllten sich indessen nicht.

PORTLAND. Yahoo meldete nach Börsenschluss am Dienstag einen Bruttoumsatz von knapp 1,8 Mrd. Dollar. Netto, nach Abzug von Provisionen für Werbepartner, so genannte Traffic Acquisition Cost (TAC), blieben davon netto 1,35 Mrd. Dollar. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Zuwachs von acht Prozent. Der Reingewinn fiel gleichzeitig von 161 auf 131 Millionen Dollar oder neun Cents pro Aktie. Analysten hatten im Schnitt mit 1,38 Mrd. Dollar Erlösen und zehn Cents pro Aktie Reingewinn gerechnet. Der operative Gewinn nahm gegenüber dem Vorjahr um 45 Prozent auf 101 Mill. Dollar ab, der freie Cashflow sackte gleichzeitig um fast ein Drittel auf 231 Mill. Dollar. Der von Yang im März verkündete Dreijahresplan mit seinen ambitionierten Umsatz- und Gewinnzielen, mit dem Yahoos Selbständigkeit zementiert werden sollte, sieht mittlerweile mehr und mehr wie Makulatur aus.

Abgesehen von einer schwächeren Konjunkturlage, die auf das Geschäft mit Display-Anzeigen drückte, in dem Yahoo Marktführer ist, sind Yang und Co. seit Monaten durch die wechselhaften Übernahmegelüste von Microsoft und den Einstieg von Icahn praktisch paralysiert. Die verschiedenen Abwehrmaßnahmen kosteten Yahoo im Quartal 22 Mill. Dollar. Zusätzlich verließen in den vergangenen Wochen eine ganze Reihe von Schlüsselmanagern das Unternehmen und der Aktienkurs, der nach der ersten Offerte von Microsoft auf rund 30 Dollar stieg, fiel seither wieder zeitweilig unter 20 Dollar. Im regulären Handel sackte die Notierung um 27 Cents auf 21,40 Dollar durch, zog dann aber nachbörslich um knapp zwei Prozent an.

Im abgelaufenen Quartal hat Microsoft ihren Verlust im Internetgeschäft trotz wachsender Erlöse mehr als verdoppelt. Der Softwareriese ist deshalb weiterhin an einer ganzen oder teilweisen Übernahme von Yahoo interessiert, um seine Wettbewerbsposition gegen Google zu verbessern. Internet-Novize Icahn, der für seine rund 69 Mill. Yahoo-Anteile im Schnitt 25 Dollar pro Stück zahlte, rückt mit dem erklärten Ziel in den Yahoo-Verwaltungsrat ein, das Unternehmen zu verkaufen. Die Hoffnung von Microsoft-Chef Steve Ballmer, dass ihm Yahoo zum Schleuderpreis in den Schoß fallen wird, dürfte sich allerdings kaum erfüllen.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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