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Intel überrascht mit glänzenden Zahlen

Das Geschäft des weltgrößten Chipherstellers Intel ist im zweiten Quartal stärker angesprungen als gedacht. Zwar bescherte die von der EU verhängte Rekordstrafe dem unbestrittenen Branchenprimus den ersten Quartalsverlust seit 22 Jahren - doch operativ steht das Unternehmen wieder glänzend dar. Das gilt als Signal für die gesamte Branche. Anleger feierten die Zahlen mit einem nachbörslichen Kurssprung.

HB SANTA CLARA. Intel gibt mit den jüngsten Zahlen den Hoffnungen auf eine allmähliche Erholung in der Technologiebranche neue Nahrung. "Das Ergebnis spiegelt die sich verbessernden Bedingungen auf dem PC-Markt wider", sagte Unternehmenschef Paul Otellini am Dienstagabend nach US-Börsenschluss im kalifornischen Santa Clara.

Die Anleger bejubelten die Nachricht: Nachbörslich sprang die Aktie um 7 Prozent hoch. Die Euphorie konnte auch die die von der EU kürzlich verhängte Rekordbuße nicht getrübt werden, die Intel unterm Strich tief in die Verlustzone drückte. Die EU hatte Intel Mitte Mai wegen illegaler Zahlungen und Rabatte in der Computerbranche mit einer Rekordbuße bestraft. Intel habe seinen viel kleineren Rivalen AMD auf unerlaubte Weise ausbremsen wollen, so die Einschätzung der Wettbewerbshüter.

Unter dem Strich stand im Ende Juni abgeschlossenen zweiten Quartal ein Minus von 398 Mio. Dollar. Ein Jahr zuvor hatte Intel noch 1,6 Mrd. Dollar verdient. Allerdings belastete den Konzern nun die EU-Buße mit umgerechnet mehr als 1,4 Mrd. Dollar. Ohne diesen Effekt hätte Intel einen Überschuss von einer Mrd. Dollar erzielt oder 18 Cent je Aktie. Die Analysten hatten mit lediglich acht Cent gerechnet.

Intel gilt angesichts seiner schieren Größe als Gradmesser für die gesamte Branche und wegen des wachsenden Einsatzes von Chips in fast allen Bereichen auch für die Wirtschaft insgesamt. Vier von fünf Prozessoren - das Herz eines jeden Computers - stammen aus den Werken des Konzerns. Insgesamt setzten die Kalifornier von April bis Juni rund acht Mrd. Dollar um - zwar 1,4 Mrd. Dollar weniger als vor einem Jahr, aber 900 Mio. Dollar mehr als noch zu Jahresbeginn. Für das laufende dritte Quartal erwartet Intel eine weitere Erholung auf einen Umsatz zwischen 8,1 und 8,9 Mrd. Dollar.

Analysten waren positiv überrascht über die Schnelligkeit der Erholung, obgleich Intel-Chef Otellini bereits angedeutet hatte, dass das Schlimmste überstanden ist. Der Konzern hatte Tausende Stellen streichen und ganze Werke schließen müssen. Auch der Halbleiter-Verband SIA hatte mehrere Monate hintereinander über ein wieder anziehendes Geschäft berichtet - allerdings auf einem vergleichsweise niedrigem Niveau, das bei weitem nicht an die Rekordwerte zu Beginn des vergangenen Jahres heranreicht, als die Krise noch auf die Finanzwelt beschränkt war.

Intels Widererstarken ist zum Teil den stromsparenden Atom-Chips geschuldet, die derzeit vor allem in den beliebten kleinen Notebooks - so genanten Netbooks - eingesetzt werden. Intel versucht, mit den neuen Prozessoren auch bei Handys Fuß zu fassen. Dazu sind die Amerikaner jüngst eine Allianz mit dem weltgrößten Mobiltelefon-Hersteller Nokia eingegangen. Zudem will sich Intel weitere Geräteklassen mit den Stromspar-Chips erschließen, etwa die Bordelektronik von Autos. Im Zuge des ehrgeizigen Vorhabends kauft Intel gerade den Software-Anbieter Wind River auf.

Weiteren Aufschluss über die Entwicklung in der Technologie-Branche erwarten sich Experten von den Schwergewichten IBM und Google , die an diesem Donnerstag ihre Ergebnisse präsentieren. Prozessorenhersteller AMD legt seine Zwischenbilanz in der nächsten Woche vor. Der größte deutsche Halbleiter-Konzern Infineon präsentiert seine Zahlen am 29. Juli.

Die Münchener haben die verbesserte Stimmung bereits für einen finanziellen Befreiungsschlag genutzt: Durch den Verkauf des Geschäfts mit Festnetz-Chips und eine Kapitalerhöhung wollen sie ihre Schulden begleichen und noch Geld auf die hohe Kante legen. Im gerade abgelaufenen Quartal soll der Umsatz im Vergleich zu dem sehr schwachen Jahresanfang wieder um mehr als 10 Prozent gestiegen sein. Infineon hofft, damit aus den roten Zahlen herausgekommen zu sein.

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