QVC prognostiziert Umsatzrekord
Einkaufssender HSE 24 greift Marktführer QVC an

Der Einkaufssender Home Shopping Europe (HSE 24) geht wieder auf Wachstumskurs. Die zweijährige Restrukturierungsphase des Münchener Teleshopping-Kanals ist abgeschlossen.

DÜSSELDORF/MÜNCHEN. „Wir sind wieder in die Wachstumskurve zurückgekehrt und wollen QVC Marktanteile abnehmen“, sagte Konrad Hilbers, Vorstandschef von HSE 24, dem Handelsblatt. In diesem Jahr werde sein Sender zweistellig bei Umsatz und Gewinn wachsen. Die Erlöse würden auf über 300 Mill. Euro steigen. In den drei Quartalen seit Jahresbeginn habe HSE 24 zweistellig zugelegt. „Wir nehmen im härter werdenden Wettbewerb wieder Fahrt auf“, sagte der frühere Bertelsmann-Manager Hilbers. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr lagen die Erlöse bei 275 Mill. Euro.

HSE 24 ist eine Tochter des US-Medien- und Internetkonzerns Interactive Corp. von Barry Diller. Der zehn Jahre alte Einkaufssender, einst Pionier der Branche, war lange die Nummer eins. Ein falscher Expansionskurs sowie Management- und Gesellschafterwechsel paralysierten jedoch das Unternehmen und führten zu Umsatzrückgängen. Der damalige Gesellschafter und Vorstandschef Georg Kofler, heute Chef des Pay-TV-Konzerns Premiere, und Thomas Kirch, Sohn des Medienunternehmers Leo Kirch, zogen sich vor drei Jahren zurück. Zuletzt verkaufte auch der Handelskonzern Karstadt-Quelle für zehn Mill. Euro seinen Minderheitsanteil an HSE 24 an Diller.

Für HSE-Chef Hilbers wird es schwierig, den Abstand zum Branchenprimus QVC zu verringern. Die Tochter des US-Medienkonzerns Liberty Media von John Malone kündigte am Wochenende einen neuen Umsatzrekord. „Wir werden erstmals mehr als 600 Mill. Euro Umsatz erzielen“, sagte Ulrich Flatten, Vorstandschef von QVC, dem Handelsblatt. Damit wäre QVC rund doppelt so groß wie HSE. Auch der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) werde überproportional steigen, kündigte Flatten an. In der Branche wird erwartet, dass QVC die Grenze von 100 Mill. Euro Ebitda überspringen wird. 2004 erzielte der neun Jahre alte Einkaufskanal Nettoerlöse von 516 Mill. Euro. Das Ebitda stieg auf knapp 75 Mill. Euro.

QVC strotzt derzeit vor Selbstbewusstsein. Allein in diesem Jahr investiert der Sender mit derzeit 3 400 Mitarbeitern rund 45 Mill. Euro. „Wir haben ein extremes Wachstum. Die Qualität unserer Produkte ist der wichtigste Treiber für das Wachstum“, sagte Flatten. Vor wenigen Tagen wurde QVC zum Versender des Jahres 2005 gewählt.

Unterdessen lässt der jahrelange Boom der Einkaufssender offenbar nach. Das Wachstum wird sich nach Einschätzung des Marktforschungsunternehmen Goldmedia verlangsamen. „Wir sind ein bisschen verhaltener, als es noch in den Goldgräberzeiten der Fall war“, sagte Goldmedia-Chef Klaus Goldhammer. Nach einer auf den Münchener Medientagen vorgelegten Studie wird der Markt bis zum Jahr 2010 nur um elf Prozent auf 1,6 Mrd. Euro wachsen. Die defensive Prognose wird allerdings in Branche bezweifelt. „Ich halte eine solche Einschätzung für ausgesprochen konservativ“, sagte QVC-Chef Flatten.

Neben QVC und HSE 24 sind auch der Kölner Einkaufskanal RTL Shop und der Münchener Auktionskanal 1-2-3-TV auf Kundenfang. Allerdings ist RTL Shop, eine Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann, seit seiner Gründung in den roten Zahlen. Im vergangenen Jahr lag das Minus bei fast drei Mill. Euro. Mit Arbeitsplatzabbau und einem Umzug nach Hannover soll der Kanal nun die Verlustzone verlassen. Laut RTL-Manager Tobias Schmid wird RTL Shop in diesem Jahr die Gewinnschwelle überschreiten.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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