Rabatt-Website
Groupon muss Zahlen nach unten korrigieren

Erneut muss das Internet-Unternehmen Groupon Fehler aus seiner Bilanz verbessern. Das letzte Quartal 2011 lief demnach noch schlechter als bisher bekannt. Dabei war sogar ein Gewinn erwartet worden.
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New YorkFünf Monate nach dem furiosen Börsendebüt versetzt das US-Internet-Rabattportal Groupon den Anlegern einen ersten großen Dämpfer. Die Firma hat ihre Bilanzierung noch nicht im Griff und musste ihre ersten Quartalszahlen als gelistetes Unternehmen deutlich nach unten korrigieren. Der Verlust ist demnach deutlich höher als zunächst berechnet. Investoren reagierten verschreckt: Die Groupon-Aktie sauste am Freitag im nachbörslichen Handel um sechs Prozent in den Keller auf 17,25 Dollar. Damit liegt der Kurs inzwischen deutlich unter dem Ausgabepreis von 20 Dollar.

Der Nettoverlust im vierten Quartal fiel mit 65,4 Millionen Dollar um 22,6 Millionen höher aus als zunächst angegeben. Den Umsatz gab Groupon nun mit 492,2 Millionen Dollar an und revidierte die bisherige Zahl damit um 14,3 Millionen nach unten.

Analysten zufolge hat Groupon bei der Rechnungslegung noch nicht das Niveau eines börsennotierten Unternehmens. „Es liegt wahrscheinlich daran, dass das Geschäft so rasch wächst, dass sie mit ihren Systemen nicht hinterherkommen“, sagte Herman Leung von Susquehanna Financial Group. „Vielleicht haben sie auch nicht genug Finanzpersonal.“

Groupon hatte den größten Internet-Börsengang seit Google hingelegt. Die Anleger rissen sich um die Anteilsscheine des rasant wachsenden Unternehmens. Ein Kursfeuerwerk am ersten Handelstag Anfang November führte dazu, dass die Firma zeitweise mit knapp 20 Milliarden Dollar bewertet wurde. Dabei gab es bereits vor der Erstnotierung (IPO) Kritik am Management wegen der Finanzberichte, die Börsenexperten als unorthodox und aggressiv beschrieben. Diese Mängel konnten bislang nicht komplett behoben werden, wie Groupon nun selbst zugab. Im Jahresbericht ist von einer „substanziellen Schwäche“ bei den internen Kontrollen zur Bilanzierung die Rede. Eine internationale Wirtschaftsprüfungsfirma soll Abhilfe schaffen und die Schwachstellen ausfindig machen.

Das Unternehmen betreibt diverse Webseiten mit Rabatt-Angeboten. Damit sammelt es Interessenten für die Waren und Dienstleistungen anderer Firmen. Findet sich eine ausreichende Zahl, haben sich die Kunden den Rabatt gesichert und Groupon eine Provision des Anbieters.

Bei der Bilanzierung steckt die Tücke im Detail. Nach Auskunft des Managements liegen die Fehler vor allem darin, dass Rabatte und damit die daraus resultierenden Rückvergütungen an die Kunden zu niedrig angesetzt waren. Es sei nicht ausreichend berücksichtigt worden, dass diese Rückvergütungen zugenommen hätten, weil die Zahl der teuren Angebote gestiegen sei. Als Konsequenz will Groupon künftig Prognosen der Rückvergütungen zugrunde legen und nicht mehr deren bisherige Entwicklung.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Rabatt-Website: Groupon muss Zahlen nach unten korrigieren"

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  • Tya Groupon hat halt kein tragfähiges geschäftsmodell, aber das ist eigentlich nix neues.

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