Raus aus der Krise
Nokia Siemens hofft aufs Servicegeschäft

Nervöse Eigentümer, aggressive Konkurrenten: Der Netzwerkausrüster Nokia Siemens Networks sucht noch immer nach Wegen aus seiner tiefen Krise. Jetzt will der Konzern sein Servicegeschäft ausbauen und sich damit besser gegen die wachsende Konkurrenz aus Fernost wehren.

MÜNCHEN/STOCKHOLM. „Für unsere effizienten Netze sind wir bekannt. Nun werden wir noch stärker als Dienstleister auftreten“, sagte Michael Matthews, Strategiechef des deutsch-finnischen Gemeinschaftsunternehmens, vor Analysten in München. Damit sucht der Konzern auch nach einem Weg, sein hohes Defizit einzudämmen.

Nokia Siemens Networks (NSN) ist 2007 aus der Fusion der Netzwerksparten von Siemens und dem Handyhersteller Nokia hervorgegangen und liefert Infrastruktur für Mobilfunk- und Festnetze. Das Gemeinschaftsunternehmen steht schwer unter Druck, denn die Marktanteile schmilzen dahin. „NSN muss ganz schnell neue Aufträge heranschaffen, um nicht den Anschluss zu verlieren“, sagt Håkan Wranne, Telekom-Analyst der Swedbank. Der bisherige Chef, Simon Beresford-Wylie, musste bereits den Hut nehmen. Nachfolger Rajeev Suri, der bisher die Service-Sparte geführt hat, tritt den Posten am Donnerstag an.

Mit dem Fokus auf Dienste will der Konzern nun in Fahrt kommen. Experten begrüßen den Schritt. „In dem Bereich haben die chinesischen Anbieter keine Chance, die den westlichen Ausrüstern das Leben sonst so schwer machen“, sagt Oppenheim-Analyst Nicolas von Stackelberg.

Da immer mehr Mobilfunker den Betrieb ihrer Netzwerke verstärkt an Ausrüster ab, locken Aufträge: NSN hat zuletzt das gesamte Netzmanagement des Telefonanbieters Orange in Spanien übernommen. „Wir stehen unter starkem finanziellen Druck und müssen effizienter werden“, sagt OrangeTechnikchef Eduardo Duato. Die laufenden Kosten würden durchs Outsourcing um 30 Prozent sinken. NSN geht davon aus, dass es anderen Mobilfunkern nicht anders geht. „Unsere Kunden werden schon bald unter einem brutalen Preisdruck stehen“, sagt NSN-Technikvorstand Stephan Scholz.

Die strategische Neupositionierung ist auch eine Reaktion auf die wachsende Unzufriedenheit der Anteilseigner. „Das Geschäft mit Telefonnetzen ist nicht dort, wo es stehen sollte“, kritisiert der Finanzvorstand von Siemens, Joe Kaeser. Es sei damit zu rechnen, dass Siemens seinen Anteil im laufenden Quartal abwerte. Die Konzerne halten je 50 Prozent.

NSN kam im zweiten Quartal bei Mobilfunknetzen nur noch auf einen Weltmarktanteil von 20 Prozent. Ende vergangenen Jahres waren es noch 26 Prozent. Erfolgreich waren dagegen die chinesischen Rivalen Huawei und ZTE. Aus Sicht vieler Experten bewerten Telekom-Gesellschaften die Infrastruktur von Huawei mittlerweile als technisch besser und billiger. Marktführer ist Ericsson aus Schweden.

Das Joint Venture hat seit seiner Gründung meist rote Zahlen geschrieben und mehrfach mit Stellenabbau und anderen Sparmaßnahmen gegengesteuert. Mit wenig Erfolg. Im zweiten Quartal machte NSN einen Verlust von 188 Mio. Euro.

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