Raus aus der Strompreisfalle
Google und Yahoo setzen auf die Kraft der Luft

Der Internet-Gigant Google investiert in ein milliardenschweres Windpark-Projekt vor der US-Küste. Dahinter steckt nicht etwa ein grüner Daumen, sondern vor allem die Suche nach billigem Strom. Denn: Die Datencenter, die alle großen Web-Anbieter von Amazon über Google, von Microsoft bis Yahoo im Moment bauen, sind gewaltige Stromfresser.
  • 2

DÜSSELDORF. Der Web-Konzern Google beteiligt sich an einem Windpark rund 25 Kilometer vor der US-Ostküste. Die Anlage, die sich rund 350 Kilometer weit von Virgina bis New Jersey erstrecken wird, liefert im Endausbau 6 000 Megawatt-Stunden Elektrizität, so Google in seinem Firmenblog. Alle Web-Anbieter suchen derzeit nach einem Ausweg aus der Strompreisfalle.

Google ist mit seinen Rechenzentren – die Anzahl ist unbekannt und wird geheim gehalten – einer der größten Stromkunden in den USA. „Das Projekt macht wirtschaftlich betrachtet viel Sinn“, so Rick Needham, Green Business Operations Director bei Google. Neben Google sind US-Finanzinvestoren und die japanische Marubeni Corp. beteiligt. Nach Berichten der Wirtschaftszeitung „Nikkei“ liegen die Gesamtinvestitionen bei sechs Mrd. Dollar.

Die Anlage liefert genug Strom, um 1,9 Mio. Haushalte zu beliefern, heißt es. Doch das eigentliche Problem, das alle großen Web-Anbieter von Amazon über Google, von Microsoft bis Yahoo haben, ist die Stromrechnung der Datencenter. Sie alle, und auch Telekom-Firmen, bauen derzeit weltweit neue gigantische Zentren mit jeweils zehntausenden Servern, um sich für das Zukunftsgeschäft Cloud-Computing zu rüsten.

Die Web-Anbieter werden dabei den Betrieb von Unternehmens-IT und Webdiensteleistungen übernehmen und über das Internet abwickeln. Marktführer ist derzeit Amazon. Die Datenbestände in Web-Unternehmen werden nur noch in Petabyte gemessen und jede Minute kommen Terabyte an neuen Daten dazu.

Steigende Stromkosten sind dabei im Cloud-Computing das größte Kostenrisiko. Schon 2006 entschied sich Google deshalb etwa zum Bau eines Datenzentrums in Oregon auf dem Gelände einer abgerissenen Aluminiumschmelze. Der Grund: ein benachbartes 1,8 Mio. Gigawatt starkes Wasserkraftwerk, das im Zweiten Weltkrieg half, Energie für die Panzerproduktion zu liefern und heute das weltweite Datenmonster zu festen Preisen mit Strom füttert.

Der CO2-Ausstoß aller Web-Rechenzentren hat mittlerweile den der Luftfahrtindustrie übertroffen, schätzen Umweltexperten. Das liegt an der aufwendigen Kühlung der Zahlenfresser und Festplatten. Deshalb haben alternative Energien die höchste Priorität. Yahoo hat gerade mit dem Bau eines Datenzentrums in der Schweiz begonnen. Zur Kühlung des Gebäudes in Avenches wird laut Yahoo 40 Prozent weniger Energie als bei den meisten modernen Datenzentren und bis zu 70 Prozent weniger als bei einer konventionellen Konstruktion erforderlich sein. Statt konventioneller Klimaanlagen kommt ein Yahoo-eigenes „Free-Cooling-Konzept“ zum Einsatz. Die erzeugte Wärme wird ausgeleitet und im Gegenzug kühle Außenluft eingebracht. Durch die höhere Energieeffizienz und durch Nutzung des bis zu 95 Prozent CO2-frei erzeugten Schweizer Stroms, will Yahoo den CO2-Ausstoß der Datenfabrik um über 17 000 Tonnen pro Jahr reduzieren.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

Kommentare zu " Raus aus der Strompreisfalle: Google und Yahoo setzen auf die Kraft der Luft"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Sogenannte "Umweltexperten" schätzen den CO2-Ausstoß der industrie. Aber wenn sie wirklich Experten für die Thematik wären, dann wüßten sie, daß CO2 gar keinen Einfluß auf irgendetwas hat - außer auf das Pflanzenwachstum! Das aber ist in der Zeit einer wachsenden Weltbevölkerung äußerst wünschenswert!

  • Kann es sein, dass der Author sich wenig oder garnicht mit Energieerzeugung auskennt? Ein Offshore-Windpark mit 6000 MWH? Oder sind es doch 6000 MW? Ebenso ist mir kein Wasserkraftwerk mit 1,9 Mio Gigawatt Leistung bekannt. Das Drei Schluchten Kraftwerk in China, derzeit grösstes Wasserkraftwerk der Welt, hat 18,2 Gigawatt.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%