Razzia bei der Telekom
Ermittlungen gegen Ricke und Zumwinkel

Die Bonner Staatsanwaltschaft hat in der Affäre um bespitzelte Journalisten, Aufsichtsräte und Mitarbeiter der Deutschen Telekom ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Am Donnerstag durchsuchten Beamte die Konzernzentrale – vor allem Büros auf der Vorstandsetage und die Abteilung Konzernsicherheit.

BONN. Dies bestätigte ein Unternehmenssprecher. Die Bonner Staatsanwaltschaft ermittelt wegen des Verdachts, gegen das Fernmelde- und Datenschutzgesetz verstoßen zu haben – zu den Verdächtigen gehören der ehemalige Vorstandsvorsitzende Kai-Uwe Ricke und Ex-Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel. Beide seien „Gegenstand der Ermittlungen“, sagte Oberstaatsanwalt Fred Apostel.

Ralph Kühn, der Chef des von der Telekom für die Spähaktion engagierten Recherchedienstes network.deutschland gehört nach Informationen des Handelsblatts ebenfalls zu den Beschuldigten; auch die Arbeit des früheren Sicherheitschefs Harald Steininger wird untersucht. Der derzeitige Telekom-Chef René Obermann stünde dagegen nicht im Visier der Ermittler, sagte die Staatsanwaltschaft.

Nach Informationen des Handelsblatts hat die Telekom noch deutlich früher als bislang bekannt Spitzelaufträge an externe Unternehmen vergeben. Offiziell hat der Konzern bislang lediglich eingeräumt, 2005 und 2006 Telefondaten missbraucht zu haben, um undichte Stellen im Konzern zu finden. Damals stand Ricke an der Spitze des Unternehmens und Zumwinkel war Vorsitzender des Aufsichtsrats.

Ähnliche Versuche, Mitarbeiter und Journalisten auszuspähen, soll es aber bereits 1998 gegeben haben. So soll die Konzernführung damals mehrere Detekteien gebeten haben, Vorschläge für die Abstellung von Indiskretionen zu erarbeiten. Anlass war eine Steuererklärung des damaligen Unternehmenschefs Ron Sommer, die an die Öffentlichkeit kam.

„Der Auftrag war sehr offen gehalten“, sagt ein Detektiv, der damals in der Konzernzentrale war. „Es wurde aber schon ein System vorgestellt, damit nichts auf Sommers Umkreis zurückverfolgt werden konnte.“ So sollte als Auftraggeber nicht die Telekom, sondern eine Rechtsanwaltskanzlei in München auftreten, die sich im Zweifelsfall auf die anwaltliche Schweigepflicht berufen konnte. Die Telekom nahm zu den Vorwürfen keine Stellung.

Der 1998 neu in die Telekom berufene Sicherheitschef Hans-Jürgen Knoke erklärte dem Handelsblatt, dass er damals Kontakte zu zahlreichen Detekteien aufgenommen habe. „Ich war neu bei der Telekom und habe geprüft, mit welcher Detektei ich künftig für welche Fälle zusammenarbeiten kann. Niemals aber habe ich illegale Aufträge erteilt.“ Allerdings räumt Knoke ein, dass die Konzersicherheit der Telekom damals extrem unübersichtlich war. „Es gab zig Stellen, die sich mit dem Thema beschäftigten“, sagte er. Deshalb könne er nicht ausschließen, dass es Aufträge gegeben habe, von denen er damals nichts gewusst habe.

Auch im Jahr 2000 hat der Konzern nach Angaben der „Financial Times Deutschland“ einen Spähangriff gegen einen Journalisten gestartet.

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