Rechtsstreit
Intel erklärt Nvidia den Krieg

Der angeschlagene Grafikchip-Spezialist Nvidia sieht sich einem juristischen Frontalangriff des Konkurrenten Intel gegenüber. Der Chipriese hat am Montag eine Feststellungsklage vor dem Court of Chancery in Delaware eingereicht.

DÜSSELDORF. Es geht darum, ein 2004 geschlossenes gegenseitiges Lizenzabkommen für die Zukunft für unwirksam erklären zu lassen. Das würde Nvidia die Entwicklung neuer Produkte in Kernmärkten deutlich erschweren.

Beide Unternehmen waren 2004 Partner und erlaubten sich die gegenseitige Nutzung von Patenten. Heute sind sie erbitterte Konkurrenten auf hart umkämpften Märkten. Ein Intel-Sprecher erklärte auf Anfrage, dass man die Ungültigkeit des Abkommens gegenüber Nvidia vor einem dreiviertel Jahr erklärt habe. Nvidia habe nicht reagiert. Deshalb wolle man nun vor Gericht eine Entscheidung herbeiführen.

Nvidia bestreitet das: "Das ist der durchsichtige Versuch, Innovationen zu behindern und ein schrumpfendes Prozessorgeschäft zu schützen", erklärte Nvidia-CEO Jen-Hsun Huang. Drew Henry, General Manager bei Nvidia, sagte im Gespräch mit dem Handelsblatt: "Die Intel-Darstellung ist nicht korrekt. Es wurde lange auf höchster Ebene verhandelt. Wir waren extrem überrascht, als wir von dem Gang zum Gericht erfuhren." Henry betonte, dass das aktuelle Geschäft und aktuelle Produkte von Nvidia nicht betroffen seien. Es gehe aber um Produkte ab Ende 2010.

Es gibt zwei Möglichkeiten, Grafikchips in einen Computer einzubauen. Entweder als Zusatzkarte über Standardschnittstellen wie den "PCIe"-Slot, oder als integrierte, fest verlötete Einheit auf der Zentralplatine. Dann müssen in den Grafikchip auch noch diverse Funktionen eingebaut sein, um Teile des PCs zu steuern, etwa die Speicherbausteine. Genau darum geht es. Die sogenannten integrierten Chips sind der am schnellsten wachsende Bereich im Grafikmarkt, sie werden in preiswerten Büro-PCs, aber auch in allen Laptops oder Netbooks verwendet. Laut Gartner-Research sind heute bereits über 50 Prozent der verkauften Computer Laptops oder Netbooks. Noch dominiert Intel, die beliebten Centrino-Laptops können ausschließlich mit Intel-Grafikchips gebaut werden, bei anderen Laptops hatte Intel lange kaum Konkurrenz.

Das änderte sich 2008, als Nvidia mit seiner Plattform "ION" erste signifikante Erfolge hatte und Intel-Chips verdrängte. Bekanntestes Beispiel: Nvidia-Grafik auf ION-Basis wird in den aktuellen Apple-Notebooks verbaut. Der chinesische Hersteller Lenovo soll nach Marktinformationen in wenigen Tagen das erste Netbook überhaupt mit einer Nvidia-Grafik vorstellen. Bislang gibt es Netbooks nur mit Intel-Chipsätzen.

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