Redakteure fürchten um Unabhängigkeit
"Figaro"-Journalisten kündigen aus Protest

Der französische Presseverlag Socpresse, der «Le Figaro» und «L'Express» herausgibt, verliert 270 Journalisten. Sie sehen die Unabhängigkeit der Titel in Gefahr.

HB BERLIN. Aus Protest gegen die Übernahme des französischen Verlags Socpresse durch den Rüstungsindustriellen Serge Dassault haben 270 Journalisten die Kündigung eingereicht. Sie beriefen sich auf eine so genannte Gewissensklausel im Vertrag, die es ihnen gestattet, bei einem Eigentümerwechsel gegen hohe Abfindungen den Verlag zu verlassen.

Gekündigt haben unter anderem 54 Redakteure, die für die konservative Tageszeitung «Le Figaro» und ihre Beilagen schrieben. Sie sehen die Unabhängigkeit der Titel gefährdet. Das Magazin «L'Express» verliert 30 Mitarbeiter. Schätzungen zufolge wird Socpresse etwa 15 Millionen Euro an Abfindungen zahlen müssen. Laut Dassault sollen nicht alle Stellen neu besetzt werden.

Der Unternehmer hatte den Verlag, bei dem bislang 2743 Redakteure beschäftigt waren, im Juni übernommen und mehrere Führungsposten umbesetzt. Entlassen wurden etwa Socpresse-Vize Yves de Chaisemartin und «Figaro»-Generaldirektor Michel Senamaud. Auch «Figaro»-Redaktionsleiter Jean de Belot musste gehen. Beschäftigte berichteten zudem von Fällen interner Pressezensur.

Socpresse gibt mehr als 70 Titel heraus, darunter das Wirtschaftsmagazin «L'Expansion» und mehrere Regionalzeitungen.

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