Die britisch-niederländische Fachinformationsgruppe Reed Elsevier wittert ein wachsendes Geschäft mit Konsumentendaten. Mit einer Milliardenakquisition in den USA will Reed Elsevier diese Sparte ausbauen – und trennt sich dafür von ihren Wirtschaftsmagazinen.
dih LONDON. So will sie von Konjunkturzyklen unabhängiger werden und höhere Wachstumsraten erreichen. Um die Margen zu stärken, legte Konzernchef Sir Crispin Davis zugleich ein Umstrukturierungsprogramm auf. An der Börse löste die Nachricht einen Kurssprung von zwischenzeitlich fast zehn Prozent aus.
"Das Wachstum des Marktes für Risikomanagement und -analyse ist höchst attraktiv", sagte Davis gestern in London. Er lege stabil um sieben bis neun Prozent im Jahr zu. Die Produkte des US-Unternehmens Choice Point, für das er ein Übernahmeangebot vorgelegt hat, ergänzten Reed Elseviers Sparte Lexis-Nexis hervorragend. Choice Point sammelt für Kunden wie Versicherungen oder Makler Informationen über Solvenz und Schadenshistorie potenzieller Kunden und versorgt Arbeitgeber und Behörden mit Daten über Bewerber und Antragsteller (siehe Kasten). Die Nachfrage nach solchen Daten dürfte in einer Rezession noch deutlich steigen.
Reed Elsevier
Den Kauf will Reed Elsevier
zunächst mit Krediten finanzieren. Zwar hat der Konzern im vergangenen Jahr seine Lehrbuch-Tochter Harcourt Education für 3,6 Mrd. Euro verkauft. Davon hat er aber 2,7 Mrd. Euro im Januar an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Verschuldung steigt damit auf rund vier Mrd. Euro.
Neues Geld wird auch der Verkauf der Sparte Reed Business Information bringen, den Davis gestern ankündigte. Sie verlegt 135 Fachtitel mit einem Gesamtumsatz von 1,3 Mrd. Euro. Darunter finden sich unter anderen das Wissenschaftsblatt "New Scientist" und das in der Unterhaltungsindustrie populäre "Variety". Analystin Tilbian schätzt den Wert der Sparte auf 1,3 Mrd. Euro.
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