Reformen
Machtkampf um Chinas Wirtschaftsblatt

Das chinesische Magazin Caijing galt als Reformbeispiel für Chinas Medienmarkt. Seine kritischen Analysen waren bei den Lesern beliebt und bei den Machthabern gefürchtet Jetzt bangt das Blatt um seine Unabhängigkeit. Hoffnungen auf eine neue Ära der freien Presse haben sich zerschlagen.

PEKING. Chinas einflussreichstes Wirtschaftsmagazin "Caijing" steht vor dem journalistischen Aus. Zumindest hat die Belegschaft bereits mit Massenkündigungen auf einen schwelenden Machtkampf an der Spitze des Magazins reagiert. Auch die charismatische Chefredakteurin Hu Shuli, die "Caijing" zum einzigen investigativen Magazin ohne direkte Parteikontrolle in China gemacht hat, soll kurz vor dem Rücktritt stehen. Etliche Manager und Dutzende von Mitarbeitern sollen das Blatt bereits verlassen haben.

"Caijing" gilt als das Reformbeispiel für Chinas Medienmarkt. Das zweiwöchentliche Magazin hat als einziges unabhängiges Medium in der kommunistisch regierten Volksrepublik in den vergangenen Jahren hohes Ansehen erlangt. Das Magazin mit 225 000 Exemplaren Auflage hat immer wieder Skandale aufgedeckt und sich bei vielen Themen - vom Sars-Skandal über Korruption bis zum Erdbeben in Sichuan - auch kritisch mit der Rolle der Partei auseinandergesetzt.

In der Redaktion dürfte bei einem Rücktritt von Hu Shuli eine Kündigungswelle folgen, sind sich Beobachter einig. Die kritische Journalistin soll angeblich ein Konzept für ein neues Magazin haben, das sie mit ihrer bisherigen Mannschaft und mit neuen Investoren umsetzen wolle.

Nach Ansicht von Medienexperten droht durch den Machtkampf ein bislang einmaliges journalistisches Projekt auf Chinas Medienmarkt zu scheitern. In der Volksrepublik unterliegen alle Medien einer strengen staatlichen Kontrolle. Die kritische Zeitung "Caijing" galt darum als wichtiges Reformmodell. Chinas Staatschef Hu Jintao hatte sich erst vergangene Woche für kritischen Journalismus ausgesprochen.

Doch seine Kommunistische Partei sieht die Medien im eigenen Land vor allem als wichtiges Werkzeug für die eigene Propaganda. So wurden trotz Unabhängigkeit von "Caijing" immer wieder Ausgaben und Artikel des Magazins gestoppt.

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