Rekordzahlen: Apples Erfolg macht Analysten sprachlos

Rekordzahlen
Apples Erfolg macht Analysten sprachlos

Hat Tim Cook sich bei Apple bereits bewiesen? Die herausragenden Quartalszahlen sprechen dafür, dass Apple auch ohne Steve Jobs eine Macht ist. Konkurrenten wie Microsoft und Amazon scheinen keine Chance zu haben.
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San FranciscoLangsam gehen einem die Superlative aus, wenn man über Apple schreibt. Mit einer atemberaubenden Umsatzexplosion auf 46,33 Milliarden Dollar im Winterquartal, dem ersten des laufenden Geschäftsjahres, übertraf Apple selbst die kühnsten Analystenerwartungen deutlich.

Der Nettogewinn kletterte vor dem Hintergrund von Rekordabsätzen bei iPhones, iPads und Mac-Computern auf einen Rekordstand von 13,06 Milliarden Dollar. Im Vorjahresquartal lauteten die Zahlen beim Umsatz 26 Milliarden Dollar, der Nettogewinn lag bei sechs Milliarden Dollar. Der Aktienkurs kletterte nachbörslich auf ein Allzeithoch von 453 Dollar.

Zum ersten Mal hat Apple jetzt auch in einem vergleichbaren Quartal mehr umgesetzt als der bislang größte IT-Konzern der Welt: HP. Im Oktober 2011 beendeten Quartal hat HP rund 32 Milliarden Dollar umgesetzt und erwartet für das laufende Quartal kaum eine Steigerung. Die Zahlen werden im Februar veröffentlicht.

Wenn es noch eines Grundes bedurft hatte, um einen Aktienbonus im Wert von 378 Millionen für CEO Tim Cook zu rechtfertigen – das ist er gewesen. Apple scheint nicht mehr zu stoppen. „Diese Zahlen sind einfach unvorstellbar“, fehlen dem Chief Investment Officer von First Empire Asset Management, Michael Obuchowski, die Worte zum ersten von Cook vollständig alleine verantworteten Quartal.

Die Bruttomarge stieg gegenüber dem Vorjahresquartal von 38,5 auf 44,7 Prozent. Der Cash-Flow aus dem Geschäftsbetrieb liegt laut CFO Peter Oppenheimer bei 17,5 Milliarden Dollar.

Der Absatz des iPhones erreichte 37,04 Millionen Stück, 128 Prozent mehr als im Vorjahr. Mittlerweile ist das Kultgerät in 90 Ländern weltweit erhältlich, darunter China. Wenige Ermüdungserscheinungen zeigt der iPad-Absatz mit 15,43 Millionen Stück, ein Zuwachs von 111 Prozent zum Vorjahr.

Die Einführung des Billigkonkurrenten Amazon Kindle Fire ist offenbar wirkungslos verpufft, zumindest was Apple angeht. Der Markt der Tablets hat sich in zwei Lager gespalten: Das Premium-Segment bedient Apple, die Billigheimer Amazon – und der Rest sucht weiter seinen Platz. Ein Einbruch von 21 Prozent beim Absatz des Musikspielers iPods erscheint da schon fast verzeihlich – wer den nicht kauft, scheint einfach ein anderes Apple-Modell zu wählen.

Während die Windows-Konkurrenz unter schleppenden Verkäufen und Zurückhaltung bei Unternehmensanschaffungen leidet, setzte Apple zum ersten Mal in einem Quartal mehr als fünf Millionen Mac-Computer ab, größtenteils Laptops. Cook räumte gleichzeitig erstmals ein, dass durch das iPad Kannibalisierungseffekte auch bei Mac-Computern spürbar seien.

Allerdings, so seine Schlussfolgerung mit dem Blick auf Konkurrenten wie Microsoft oder Dell: „Viel mehr Kannibalisierung findet woanders statt.“ Microsoft hatte gerade zuvor für die Windows-Sparte einen Umsatzrückgang um sechs Prozent auf 4,74 Milliarden Dollar für das Weihnachtsquartal ausweisen müssen.

Der iTunes-Onlinestore hat sich mittlerweile zu einer eigenen Umsatz- und Ertragssäule entwickelt. Mit einem Umsatz von 2,02 Milliarden Dollar spielt alleine die Musik-, Video- und Softwareplattform heute im Quartal bereits halb so viel Umsatz ein wie der gesamte Internetkonzern Yahoo im Jahr umgesetzt (2011 netto: 4,38 Milliarden Dollar) hat.

Das Geschäft mit der Settop-Box iTV verzeichnete mit 1,4 Millionen Stück zwar auch einen Quartalsrekord, verharrt aber weiter auf niedrigem Niveau. „Das iTV-Business ist noch immer im Hobbystatus“, beharrt CEO Tim Cook im Analystencall. Zugleich verweigerte er aber weitere Kommentare zu eventuellen TV-Plänen.

Für das laufende Quartal hat Cook jetzt wieder die Rückkehr zur Normalität ausgegeben: Seine Umsatzerwartung von 32 Milliarden Dollar und ein Gewinn von 8,50 Dollar pro Aktie im Quartal mit 14 Wochen werden von Analysten als „zurückhaltend“ bewertet. Es besteht also wieder Spielraum für Überraschungen.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
Handelsblatt / Korrespondent

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  • @CeepCool:
    bin kurz nach 9/11 (als wir alle Amis waren) eingestiegen und habe es bis zum heutigen Zeitpunkt nicht bereut. Ich habe über 20 Jahre mit MACs in meinem Beruf gearbeitet und kenne daher die Qualität der Apple-Produkte. Als die ersten Verkaufszahlen des iPod veröffentlicht wurden stand den Analysten bereits der Mund offen. Nach dem Erfolg der iPhones bis zum 4Gs ebenfalls, genauso erging es ihnen beim iPad und demnächst wird es ihnen wieder so ergehen. Apple beschreibt den Weg (sehen nicht alle Smartphones gleich aus?) und alle hecheln hinterher, einige blieben schon auf der Strecke. Und die Analysten? Was haben sie prophezeit als sie von der tödlichen Krankheit von Steve Jobs erfuhren? Der Kurs der Apple-Aktie wird einbrechen! In dem Fall hätte ich sofort nachgekauft ;–)

  • Ich verstehe den ganzen Hype nicht und fühlt mich auch ohne Apple wohl. Aber ich mache mir auch nichts vor, denn iApple wird so schnell nicht verschwinden. Im Gegenteil. Die kleinen Designerspielzeuge werden das Leben irgendwann derart durchziehen, dass ich wirke wie ein Dinosaurier, der sich an Grammophon und Volksempfänger erfreut. Ich sehe schon kommen, dass ich der letzte bin, der mit Messer und Gabel isst, während der Rest der Welt es verlernt hat. Sie brauchen es ja auch nicht, denn auch dafür gibt es sicherlich eines Tages eine App. Ich rutsche wohl immer weiter ins Abseits der iGesellschaft, bin aber dennoch überzeugt dass ein Leben ohne Apple möglich ist .

  • @bombi: Obwohl ich mit Harlekin des Öfteren nicht übereinstimme, muss ich zugestehen, dass sein Kommentar sehr zutreffend ist. Allerdings muss man versuchen, die Art seiner Formulierung zu verstehen.

    Die entscheidende Frage bei Apple ist die: wenn die Analysten und Anleger im Moment staunend mit offenem Mund ob des Erfolges dastehen, wie soll Apple die Anleger in Zukunft noch positiv überraschen? Die Erwartungshaltung ist im Moment auf einem ziemlichen Höhepunkt angelangt.

    Auch wenn Apple ein gut geführtes Unternehmen sein mag (sein wird), zahlt man für diese Firma im Moment einen deftigen Preis. Gut geführte Unternehmen zu weniger deftigen Preisen sind oft das bessere Investment.

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