Reportage
Chips aus Xian

Warum Infineon in der chinesischen Provinz ein großes Entwicklungszentrum aufbaut – ein Erfahrungsbericht aus dem fernen Osten.

HB XIAN. Ulrich Fiedler hetzt zur Tür herein, kommt zu spät zum Abendessen. „Der Verkehr“, stöhnt er. „Anderthalb Stunden vom Büro in die Stadtmitte. Das wird immer schlimmer.“ Rose Wang lächelt nur. „Jeden Tag werden in Xian 100 Autos neu zugelassen“, sagt sie süffisant und nicht ohne Stolz. Dann taucht die Marketingspezialistin ihren Löffel wieder in die Gemüsesuppe.

Willkommen in der chinesischen Provinz, in der alten Kaiserstadt Xian. Das Verkehrschaos, das dem deutschen Infineon-Ingenieur Fiedler auf den wenigen Kilometern vom Büro am Stadtrand in die City wie ein Alptraum vorkommt, ist für seine chinesische Kollegin Wang ein untrügliches Zeichen des Fortschritts.

Von dem rasanten wirtschaftlichen Aufschwung in China will jetzt auch der Chiphersteller Infineon profitieren. Für die Münchener soll der Standort in der Volksrepublik mehr sein als nur eine verlängerte Werkbank. Wie viele andere deutsche Konzerne baut Infineon in China inzwischen auch große Forschungs- und Designzentren auf, die eines Tages den chinesischen Markt bedienen sollen. Doch warum zieht es die Deutschen in die Provinz? Warum investieren sie nicht wie andere auch an der Küste rund um Schanghai? Ein Erfahrungsbericht aus Xian beschreibt die Vor- und Nachteile.

Fiedler, 38, ist ein groß gewachsener Mann mit ergrautem Haar und sportlicher Figur. Er ist viel herumgekommen in der Welt. Sein Arbeitgeber hat ihn in den vergangenen acht Jahren immer wieder an die heißesten Plätze in der IT-Industrie geschickt. Erst war er in München, als Siemens seine Halbleitersparte ausbaute, die später unter dem Kunstnamen Infineon an die Börse kam. Dann zog der Manager ins Silicon Valley, als die Deutschen am Internetboom teilhaben wollten. Und jetzt lebt er eben in Xian, in einer sieben Millionen Einwohner zählenden Stadt im Herzen Chinas.

Fiedler ist als Personalchef vor Ort der vielleicht wichtigste Mann im Werk. Hier baut Infineon derzeit einen seiner weltweit größten Entwicklungsstandorte auf. 800 Mitarbeiter will der High-Tech-Konzern in den nächsten drei Jahren einstellen. Mehr als 200 Leute sind bereits unter Vertrag. Fiedlers Aufgabe ist es, neue Leute zu suchen und auf ihren neuen Job vorzubereiten.

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