Research in Motion
Blackberry-Konzern leidet an der Nokia-Krankheit

Der Smartphone-Hersteller Research in Motion kämpft auf verlorenem Posten gegen die Konkurrenten Apple und Google. Die heutigen Quartalszahlen könnten das Unternehmen weiter unter Druck setzen.
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Unter den Rasenden wirkt der Schnelle noch langsam. Wenn der Blackberry-Konzern Research in Motion (RIM) heute Abend die Geschäftszahlen für sein erstes Quartal vorstellt, wird er üppige Wachstumsraten präsentieren - über die Analysten und Investoren in fast jeder anderen Branche jubeln würden. RIM aber stellt Smartphones her und bedient damit einen Markt, der noch viel schneller wächst. Deshalb werden Analysten und Investoren heute Abend wohl wieder die Stirn runzeln und etwas von „wie Nokia“ raunen.

Der finnische Weltmarktführer stürzt derzeit spektakulär ab und hat in diesem Jahr etwa die Hälfte seines Marktwerts eingebüßt. Ähnlich schlecht erging es dem RIM-Aktienkurs, der seit Ende April um mehr als ein Drittel absackte.

Das Problem: RIM entwickelt sich gut, aber eben nicht gut genug. Um mehr als 50 Prozent steigerte das Unternehmen die Blackberry-Auslieferungen in seinem Ende Februar abgelaufenen Geschäftsjahr und verlor laut Marktforscher Gartner dennoch binnen eines Jahres ein Drittel seines Anteils am Weltmarkt. Denn die Konkurrenten Apple und Google (als Lieferant des Betriebssystems für Smartphones von Samsung oder HTC) wachsen noch viel schneller.

Vor allem auf RIMs Kernmarkt Nordamerika laufen die beiden Wettbewerber den Kanadiern inzwischen den Rang ab, der Marktanteil fällt rapide, zuletzt sank der Blackberry-Umsatz sogar im Jahresvergleich. Außerhalb der Region wächst der Konzern noch zügig, aber die Frage ist: Wie lange noch?

Im Konsumentenmarkt hat RIM keine Chance gegen Apple und Google: Das Vorzeigemodell Torch bietet zwar einen Touchscreen, lässt sich aber weit weniger intuitiv bedienen als etwa das iPhone, und die Auswahl an Apps, den beliebten Zusatzprogrammen, ist viel kleiner als bei Apple.

Weit gefährlicher für RIM aber ist die Entwicklung auf dem Markt für Firmenkunden, der Domäne des Konzerns. Viele Mitarbeiter drängen ihre Arbeitgeber inzwischen, iPhones auch für die Arbeit nutzen zu dürfen. Die IT-Verantwortlichen sperrten sich lange gegen solche Vorhaben, weil das Blackberry-System am sichersten ist. Dieser Vorsprung schmilzt aber dahin, deshalb hat etwa die Deutsche Bank ein Pilotprojekt gestartet, in dem Mitarbeiter mit den Apple-Geräten ausgestattet werden.

Große Hoffnung setzt das RIM-Management nun auf den Markt für Tablet-Computer. Heute Abend wird der Konzern erstmals Verkaufszahlen für sein iPad-Gegenstück Playbook präsentieren, das Anfang des Jahres in die Läden kam. Analysten rechnen mit einem Absatz von rund 350.000 Stück – so viele iPads verkaufte Apple beinahe allein am ersten Tag.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

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