Research in Motion
Blackberry rutscht in die roten Zahlen

Apples iPhone und Android-Smartphones haben sich offenbar durchgesetzt. Darunter leidet der angeschlagene Hersteller des früher so begehrten Handys Blackberry. Nachbörslich brach die gebeutelte Aktie um 12 Prozent ein.
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San FranciscoWie viel Zeit bleibt noch für die Rettung? Der kanadische Blackberry-Hersteller Research in Motion (Rim) erwartet für das laufende Quartal einen operativen Verlust und hat Investmentbanken angeheuert, um seine strategischen Optionen auszuloten. Derweil drohen erneute hohe Abschreibungen und Massenentlassungen. Die Aktie brach nachbörslich massiv ein.

Sinkende Hardwareverkäufe bei gleichzeitig steigendem Preiswettbewerb werden ihre Spuren hinterlassen, räumte der neue CEO Thorsten Heins in einer Mitteilung des Unternehmens am späten Dienstag ein. „Die finanzielle Lage wird auch in den kommenden Quartalen angespannt sein“, warnt er die Aktionäre. Er schließt einen operativen Verlust im Quartal, das am 2. Juni zu Ende geht, nicht mehr aus. Im Vorjahresquartal lag der operative Gewinn noch bei 897 Millionen Dollar.

Rim verliert besonders in den USA Marktanteile und wächst nur noch in Schwellenländern und vor allem im pazifischen Raum. Die Einführung neuer Modelle mit einem überarbeiteten Betriebssystem (Blackberry 10) wurde immer wieder verschoben, der Einstieg in den Tablet-Markt mit dem Playbook geriet zum Fiasko. Aufgrund der Unsicherheit der Marktsituation gibt Rim seit März keine detaillierten Vorhersagen für die kommenden Quartalsergebnisse mehr aus.

Nach Erhebungen von Bloomberg steht der Smartphonepionier vor einer erneuten Abschreibung auf unverkäufliche Smartphones und Tablets, der Gerätebestand sei um 18 Prozent angewachsen, so Bloomberg, stärker als bei allen anderen Herstellern. Ende vergangenen Quartals lagen Geräte im Wert von gut einer Milliarde Dollar in den Lagerhäusern und Fabrikhallen. Bereits im Dezember 2011 wurden Tablets im Wert von 485 Millionen Dollar vor Steuern abgeschrieben, Ende März 267 Millionen Dollar.

Angesichts der erneuten Abwärtskorrektur der Erwartungen durch das Unternehmen gehen Analysten jetzt von einer erneuten hohen Abschreibung aus. Bereits im vierten Quartal 2012 war der Geräteabsatz gegenüber Vorjahr um 21 Prozent auf 11,1 Millionen Stück eingebrochen. Der aktuelle Lagebericht lässt kaum hoffen, dass sich die Situation stabilisiert hat.

Für Heins ist es ein Rennen gegen die Zeit: Mit einem massiven Kostensenkungsprogramm will er gegensteuern und die quälende Zeit bis zum Start der neuen Modelle mit dem Betriebssystem 10 überbrücken. Der ist für „später in 2012“ geplant, heißt es vage. Bis Ende 2013 hofft das Management durch Schließung von Fabrikationsstraßen, effizientere Strukturen und Personalabbau bis zu eine Milliarde Dollar im Jahr einzusparen.

Nach Medienberichten werden dem Kahlschlag zwischen 2000 und 3000 Stellen zum Opfer fallen. Rim kommentiert die Berichte nicht. Im aktuellen Statusbericht heißt es lediglich, es werde „signifikante Einsparungen und Stellenabbau geben, während in Schlüsselbereichen weiterhin die Ausgaben erhöht und Personal eingestellt“ werde. Zuletzt gelang es Heins mit Kristian Tear einen neuen COO zu finden und mit Frank Boulben die neugeschaffene Stelle eines Chief Marketing Officers zu besetzen. Boulben soll den teilweise chaotischen Markenauftritt des früheren Herstellers von Business-Smartphones aufpolieren und gleichzeitig den Privatkundenbereich stärken.

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Heins schließt einen Verkauf des Unternehmens nicht mehr aus

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  • Der Marktanteil von Smartphones mit dem Blackberry-OS hat sich laut IDC von Q1/2011 bis Q1/2012 binnen Jahresfrist von 13,6% auf 6,4% mehr als halbiert. Und auch die Zukunft sieht nicht rosig aus. Android und iOS lassen grüßen.

  • Nur Blackberry braucht Blackberry ;-)

  • Frage mich ernsthaft, wer da im Management sitzt. Das Ganze ist an Unfähigkeit nicht mher zu überbieten. So ein gutes Unternehmen so in den Sand zu setzen. Diese Manager würde ich auf Schadenersatz verklagen...und sofort rauswerfen

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