
New YorkDer operative Chef, der Technologie-Chef und der Co-CEO mussten bereits letzte Woche gehen. Nun sind ihnen laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ weitere „Top-Manager“ gefolgt. Das Blatt beruft sich auf Personen, die dem Unternehmen nahe stehen. Eine Sprecherin wollte die Informationen des Blatts nicht bestätigen.

Dass das Unternehmen den Kampf gegen die Konkurrenz von Google und Apple zu verlieren scheint, ist aber keine Neuigkeit. Letzte Woche gab CEO Thorsten Heins dramatische Ergebnisse bekannt: Statt eines Gewinns wies RIM für das Jahr 2011 einen Nettoverlust von 125 Millionen Dollar aus.
„Ich bin überzeugt, dass grundlegende Änderungen notwendig sind“, sagte RIM’s neueste Hoffnung Heins nach der Bekanntgabe der Ergebnisse. „Der Eindruck, den ich von RIM nach zwei Tagen als CEO hatte, unterscheidet sich erheblich von dem, den ich nach zehn Wochen als CEO habe.“
Als Hoffnungsschimmer gilt ein komplett überarbeitetes Betriebssystem und ein neues Smartphone. „Der neue Blackberry 10 kann viel mehr als das iPhone“, sagte Heins dem Handelsblatt im Januar. Der Launch ist für dieses Jahr angekündigt.
Ein Erfolg ist dringend nötig, denn gerade die neuen Blackberry-Geräte finden keine Käufer mehr. Im ersten Quartal des neuen Jahres wurden zwar gut elf Millionen Blackberrys verkauft, doch zum großen Teil waren das billige Einsteigermodelle. Bei den Top-Modellen entscheiden sich die Kunden für Apple- oder Android-Geräte.
Das Google-Betriebssystem ist in wenigen Jahren zur meistgenutzten Plattform im Smartphone-Markt aufgestiegen. In dritten Quartal 2012 lief nach Zahlen der Marktforscher von Gartner fast jedes dritte verkaufte Computer-Telefon mit Android (72,4 Prozent). Das Erfolgsgeheimnis: Google bietet Android den Geräte-Herstellern kostenlos an und lässt sie die Software auch anpassen. Samsung, HTC, LG, Sony Ericsson – die meisten Handy-Produzenten setzen auf die Google-Plattform. Der Internet-Konzern will dabei an Werbeeinnahmen verdienen. Allerdings steht Android auch im Visier besonders vieler Patentklagen.
Smartphones gab es auch schon bevor 2007 das iPhone vorgestellt wurde – doch erst mit dem Apple-Telefon mit seinem großen Bildschirm begann der wirkliche Siegeszug der Computertelefone. Apple hielt mit seiner iOS-Plattform zuletzt laut Gartner 13,9 Prozent am Smartphone-Markt, heimst jedoch einen beträchtlichen Teil der Gewinne ein, da die gesamte Kette von Geräteentwicklung bis hin zum App Store für passende Programme in der Hand des Konzerns liegt. Allerdings hat Samsung mit seiner breiten Produktpalette den Konzern aus Kalifornien inzwischen abgehängt.
Microsoft würde sein mobiles Betriebssystem Windows Phone gern als dritte starke Kraft im Smartphone-Geschäft etablierten, doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Das Bündnis mit dem einstigen Handy-Weltmarktführer Nokia soll es richten, die Finnen installieren die Software auf ihren Smartphones. Im Herbst dümpelte der Marktanteil bei 2,5 Prozent, allerdings dürfte die im November eingeführte Version Windows Phone 8 für etwas Belebung gesorgt haben.
Lange Zeit war die Nokia-Plattform das Maß der Dinge im Smartphone-Markt, bis iPhone und die Androiden sie vom Thron stießen. Seit Nokia vor allem auf Windows Phone setzt, ist Symbian ein Auslaufmodell. Der Marktanteil brach binnen eines Jahres von 16,9 auf 2,6 Prozent ein.
Samsung verkauft nicht nur Geräte mit Android, sondern leistet sich zusätzlich ein eigenes Betriebssystem namens Bada, das auf allen Wave-Geräten installiert ist. Die Software hat inzwischen immerhin 3 Prozent Marktanteil und damit beispielsweise mehr als das Microsoft-System Windows Phone.
Man liege mit dem Blackberry 10 „im Plan“, sagte Heins vor der Presse letzte Woche. Doch darauf, dass das neue Gerät und das dazugehörige Betriebssystem ein Hit wird, will er sich offenbar nicht verlassen. Er schließt sogar einen Verkauf des Unternehmens nicht mehr aus.
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