Research in Motion
So will Blackberry aus der Krise kommen

Das neue Blackberry-Modell verzögert sich, der Aktienkurs sinkt, Kunden verlieren das Vertrauen: RIM kämpft ums Überleben. Konzernchef Thorsten Heins verrät nun, mit welch radikalen Maßnahmen er die Wende schaffen will.
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Düsseldorf/OttawaThorsten Heins ist um seinen Job nicht zu beneiden. Erst kürzlich verkündete der neue Chef des kanadischen Smartphone-Herstellers Research in Motion (RIM) den ersten Quartalsverlust seit 2004. Der deutsche Manager muss 5000 der 16.000 Stellen abbauen. Und er musste zugeben, dass der neue Hoffnungsträger des Konzerns, das Betriebssystem „Blackberry 10“, das im Herbst auf den Markt kommen sollte, wegen technischer Probleme erst Anfang 2013 marktreif ist.

Der Niedergang des Blackberry-Herstellers und einstigen kanadischen Nationalstolzes ist atemberaubend. Die RIM-Aktie - einst 150 Dollar wert - liegt jetzt bei sieben Dollar. Doch Heins gibt sich im Interview mit dem Handelsblatt kämpferisch. „Wir müssen schlanker und effizienter werden, wir haben neue Manager eingestellt - auch Turn-around-Spezialisten“, sagte Heins im Exklusiv-Interview mit dem Handelsblatt.

„Das Wichtigste in dieser Lage aber ist Offenheit.“ Das Management bleibt vom Konzernumbau nicht verschont: „Wir nehmen auch ganze Führungsebenen heraus“, erklärte Heins seine Strategie.

Weltweit schauen Manager auf den erst 54-jährigen Deutschen, ob ihm die Wiederbelebung der einstigen Kultmarke Blackberry gelingt. Was die Voraussetzung für einen erfolgreichen Turn-around ist, können sich die RIM-Sanierungsexperten an namhaften Vorbildern abschauen.

Beispiel Porsche: Anfang der 90er-Jahre stand der Sportwagenhersteller wegen einer verfehlten Modellpolitik vor dem Aus. Der damalige Porsche-Chef Wendelin Wiedeking flexibilisierte die Produktion, gab unrentable Modelle wie den Porsche 928 auf und machte das Unternehmen mit neuen Autos wie dem Geländewagen Cayenne zum rentabelsten Autohersteller der Welt.

Für eine erfolgreiche Kehrtwende müsse sich ein Unternehmen rigoros von unprofitablen Geschäftsfeldern und Produkten trennen, sagt Walter Bickel, Deutschland-Chef der Restrukturierungsberatung Alvarez & Marsal, dem Handelsblatt: „Für alles, was mittelfristig keinen Profit verspricht, gilt: dichtmachen oder verkaufen!“

Wenn es wie bei RIM keine verschiedenen Geschäftsfelder gebe, sei es umso wichtiger, Kunden durch technische Innovationen im Kerngeschäft zu überzeugen. „Produktinnovation oder ein neuartiges Geschäftsmodell sind elementar für einen erfolgreichen Turn-around“, sagt Max Falckenberg von der Unternehmensberatung Roland Berger.

Wie man mit Innovationen zum Erfolg gelangt, hat Apple gezeigt: Nach seiner Rückkehr revolutionierte Gründer Steve Jobs den Musikmarkt mit dem iPod und einem Onlineshop. Danach machte Jobs mit dem iPhone und dem iPad Apple zum wertvollsten Konzern der Welt. Einen erfolgreichen Wandel hat IBM vorgemacht, das vom Großrechner-Produzenten zum IT-Dienstleister wurde.

Zentrales Element bei einem Turn-around ist Vertrauen: „Eine Unternehmenskrise ist immer auch eine Vertrauenskrise“, sagt Berater Falckenberg. Financiers werden unruhig, Kunden fragen, ob sie in einem halben Jahr noch Ersatzteile bekommen, Zulieferer zweifeln an der Zahlungsfähigkeit. Gerade an Vertrauen mangelt es RIM derzeit. Falckenberg sagt, eine Sanierung dauere im Schnitt zwei Jahre. Die Frage ist nur, ob Kunden und Investoren so lange Geduld mit RIM-Chef Heins haben.

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  • Blackberry schaft den Turnaround nur mit Femtocell und E-Commerce on POS.
    Unter Femtocell gibt es bei Google mehr als 1 Million Treffer. E-Commerce on POS findet man leider immer noch nur bei uns palx.de Die Händler und Dienstleister werden desinformiert von den Telcos, welche das ganzer Geschichte todschweigen wollen. aber die Revolution kommt. Nicht um sonst hatte Google mit der Erfassung der WLAN Zugangspunkte begonnen und Apple die ecommerceonpos.com nach uns nacherfunden. Helle Köpfe haben Chancen, aber ob Thorsten Heinz ein heller Kopf sei, das wissen wir leider noch nicht.

  • Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht:

    Thorsten Heins hat seinerzeit die Siemens Mobilfunk Sparte "erfolgreich" geleitet!
    Kurze Zeit später wurde Siemens Mobile Phones an die asiatische Firma BenQ verkauft mit dem Ende in der Insolvenz. Nokia Siemens Networks ringt seit Jahren mit riesigen Verlusten und Massenentlassungen.

    Also weiter zu RIM, dort "erfolgreich" managen.
    Seit 2007 ist Thorsten Heins bei RIM tätig und seitdem?
    - Unpraktische Endgeräte mit schlechtem Design
    - Smartphone Trend verschlafen
    - Display Trend verschlafen
    - Produkte verspätet (Berliner Flughafen lässt grüssen)
    - etc.

    So wird das nichts.
    Daher, gute Nacht Thorsten und gute Nacht Blackberry


  • Sorry, hatte jahrelang BB und war ein echter Fan, aber heute schreibe ich keine Mails mit dem Handy, sondern diktiere sie. Das geht deutlich schneller und einfacher, deshalb ist eine physikalische Tastatur nun wirklich nicht mehr unbedingt nötig.

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