Reuters und Dow Jones
Investoren entdecken Finanzmedien

Medienunternehmer und Anleger haben den Markt für Finanz- und Wirtschaftsinformationen wieder entdeckt. Das Kaufangebot des Medienmoguls Rupert Murdoch für Dow Jones und die bevorstehende Offerte für Reuters haben eine Neubewertung der seit Jahren vernachlässigten Branche ausgelöst.

ebe/dih/hps/HB NEW YORK/LONDON/DÜSSELDORF. Die Aktie des Londoner Finanzinformationskonzerns Reuters sprang am Freitag um ein Viertel in die Höhe, nachdem sich ein Kaufinteressent meldete. Nach Informationen aus Finanzkreisen handelt es sich dabei um den kanadischen Konkurrenten Thomson. Weder Reuters noch Thomson bestätigten das. Analysten sagten, das neu erwachte Interesse sei eine logische Folge des langen Booms der Finanzmärkte.

Sowohl Reuters und Dow Jones, Herausgeber des "Wall Street Journal", als auch der britische Medienkonzern Pearson, der die "Financial Times" verlegt, erreichten in der vergangenen Woche die höchsten Aktienkurse seit fünf Jahren. Die Börsenwerte aller drei Unternehmen liegen damit jedoch noch immer weit unter früheren Höchstständen. Die Kaufangebote bedeuteten, dass Investoren aus der Branche die Finanzinformationsdienste als unterbewertet ansähen, sagten Analysten. Sie wollten nun zuschlagen, bevor die Börse zu dem gleichen Schluss komme.

Reuters kommt nach dem Kurssprung vom Freitag auf einen Börsenwert von 7,8 Mrd. Pfund (11,4 Mrd. Euro). Ähnlich wie bei Dow Jones, wo die Gründerfamilie Bancroft 52 Prozent der Aktien hält, ist auch bei Reuters eine feindliche Übernahme nicht machbar. Das mehr als 150 Jahre alte Unternehmen hat sich, um die redaktionelle Unabhängigkeit zu bewahren, mit einer "goldenen Aktie" geschützt, die von einer Gruppe von 15 Treuhändern verwaltet wird. Ohne deren Zustimmung kann es keinen Besitzerwechsel geben - ein Käufer wird also tief in die Tasche greifen und womöglich weit reichende Garantien geben müssen.

Laut "Sunday Telegraph" fordert die Reuters-Führung einen Preis von 750 Pence je Aktie, der einer Bewertung von 9,4 Mrd. Pfund (rund 14 Mrd. Euro) entspräche. Der Thomson-Konzern, der sich nach einer bewegten Firmengeschichte zuletzt auf Fachinformationen konzentriert hat, ist an der Börse derzeit rund 28 Mrd. Dollar (gut 20 Mrd. Euro) wert. Er hat seine Lehrbuchsparte zum Verkauf gestellt, die nach Einschätzung von Analysten rund fünf Mrd. Dollar einbringen dürfte. In Finanzkreisen wird damit gerechnet, dass Reuters-Chef Tom Glocer, der das Unternehmen in den vergangenen Jahren mit einem harten Sparkurs und einer strategischen Neuausrichtung aus einer Krise geführt hat, bei einer freundlichen Übernahme an Deck bleibt.

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