Reverse Takeover
Drillisch nimmt Freenet ins Visier

Drillisch plant offenbar einen Coup: Zuletzt baute der Mobilfunk-Discounter seine Anteile am großen Rivalen Freenet massiv aus. Das Ziel: Die Kontrolle übernehmen ohne Freenet komplett schlucken zu müssen.
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Der Mobilfunk-Discounter Drillisch will Brancheninsidern zufolge den wesentlich größeren Rivalen Freenet unter seine Kontrolle bringen. Der Kursanstieg der Freenet-Aktie in den vergangenen Woche sei „ein Signal, dass Drillisch weiterhin mit Freenet zusammengehen will“, sagte eine mit der Sache vertraute Person am Donnerstag. Seit Anfang März legten die im TecDax gelisteten Freenet-Titel um 30 Prozent zu. 

Beide Firmen betonten in Vergangenheit, dass ein Schulterschluss unter bestimmten Bedingungen sinnvoll sein könnte. Drillisch hatte vergangenes Jahr seine Position bei Freenet deutlich ausgebaut. Mittlerweile hält das Unternehmen aus Maintal bei Frankfurt 21,86 Prozent an dem Konkurrenten. 

Es sei derzeit nicht wahrscheinlich, dass Drillisch seinen Anteil auf mehr 24,9 Prozent ausbauen wolle, sagte der Insider, da in diesem Fall die Verlustvorträge von Freenet in Höhe von 2,6 Milliarden Euro teilweise verloren gingen. Drillisch habe von Anfang an die Verlustvorträge heran gewollt, erläuterte er. 

Eine direkte Übernahme von Freenet durch Drillisch gilt unter Branchenkennern wegen der Größenunterschiede zwischen den Unternehmen als unwahrscheinlich. Die Hamburger sind an der Börse knapp 1,7 Milliarden Euro wert, mehr als drei Mal soviel wie Drillisch. Nach Aussagen eines zweiten Insiders bereitet die Drillisch-Führung etwas ganz anderes vor: Vorstandschef Paschalis Choulidis spiele derzeit einen sogenannten „Reverse Takeover“ durch - Freenet solle also Drillisch übernehmen, dann aber letztlich von Choulidis kontrolliert werden. 

Choulidis sagte dazu, dass eine Fusion von Drillisch und Freenet nicht in seinem Sinne sei, da der Mobilfunkanbieter stark wachse - im Gegensatz zu Freenet. „Wir wollen in Ruhe gelassen werden, das haben wir immer gesagt.“ Er wollte auch nicht sagen, ob Drillisch zwischenzeitlich noch weitere Freenet-Aktien gekauft habe. „Wir werden unseren Anteil entsprechend den Meldeschwellen bekanntgeben“, sagte er. 

Zum Showdown kommt es auf der Hauptversammlung von Freenet am 9. Mai. „Es ist erkennbar, dass Drillisch den Aufsichtsrat mit seinen Leuten besetzen will“, sagte der Insider. Drillisch versucht, mit einem Gegenantrag drei Gefolgsleute im Aufsichtsrat durchsetzen. Nach Aussage von Choulidis sei das nötig, da Freenet versuche, Drillisch aus dem Kontrollgremium zu drängen. „Wir sind der größte Aktionär und wollen fair behandelt werden.“ Drillisch wolle mit den eigenen Vertretern bei Freenet lediglich das Geld, dass bereits in Freenet-Aktien gesteckt wurde, absichern.

 

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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