Ricke muss für Kursverluste gerade stehen
Investoren piesacken Telekom

Nach den jüngsten Kursverlusten und der Senkung der Geschäftsprognose wächst die Kritik von Investoren am Kurs der Deutschen Telekom. Nach wie vor steht Ricke unter massivem Druck, auch wenn manche Investoren zur Mäßigung in der Personaldiskussion aufrufen.

HB FRANKFURT. „Es bleiben viele offene Fragen“, sagte Andreas Mark, Fondsmanager bei Union Investment, am Freitag der Nachrichtenagentur Reuters. „Die Telekom hat den Markt falsch eingeschätzt. Es war absehbar, dass sich der Wettbewerb verschärft.“ Allerdings müsse man dem nach Medienberichten unter Druck geratenen Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke nun auch Zeit geben, um die Probleme zu meistern. „Die Personaldiskussion jetzt anzufachen, halte ich für verfrüht“, sagte Mark.

DWS-Fondsmanager Klaus Kaldemorgen sagte der „Financial Times Deutschland“, nach den Zahlen und dem anschließenden Gespräch mit Ricke und Finanzchef Eick ernüchtert zu sein. Vergangene Woche hatte der Bonner Telekommunikationskonzern die Märkte mit einer Gewinnwarnung geschockt. Ricke steht seither unter Druck: In Medienberichten hatte es geheißen, die Verlängerung seines Ende 2007 auslaufenden Vertrages werde von den Eigentümern in Frage gestellt. Der Manager selbst hatte dagegen sein Verhältnis zur Bundesregierung, die gemeinsam mit der KfW Haupteigner ist, als gut bezeichnet.

Auch beim Finanzinvestor Blackstone, der im April für 2,7 Mrd. Euro 4,5 Prozent an der Telekom erworben hatte, wächst offenbar die Unzufriedenheit. „Momentan ist das wirklich schmerzhaft“, hatte eine mit der Situation vertraute Person zuletzt gesagt. Die US-Beteiligungsgesellschaft hat im Zuge des Kurseinbruchs der „FTD“ zufolge mittlerweile ihr investiertes Eigenkapital von 400 Mill. Euro komplett verloren. Das Aktienpaket decke schon jetzt kaum mehr das Volumen der beim Kauf aufgenommenen Kredite ab, hieß es zudem. „Bei weiteren Kursverlusten ist laut Bankkreisen vereinbart, dass Blackstone zusätzliches Eigenkapital stellt oder am Markt weitere Telekom-Aktien kauft“, berichtete die Zeitung. Die Finanzierung des Einstiegs habe die Deutsche Bank übernommen.

Das Institut wollte sich zu dem Bericht nicht äußern. Auch Blackstone-Deutschlandchef Hanns Ostmeier lehnte eine Stellungnahme ab. „Wir glauben, dass die Telekom ein hervorragendes Unternehmen mit einem starken Management sowie attraktiven Kennzahlen und Marktchancen ist“, hatte der Finanzinvestor beim Kauf des Anteils noch erklärt. Seither hat die Aktie allerdings rund 20 Prozent an Wert verloren. Dem Bericht zufolge müsste Blackstone bei einem weiteren Absinken des Aktienkurses auf beispielsweise acht Euro 150 Mill. Euro Eigenkapital nachschießen. Am Nachmittag notierte die Telekom-Aktie mit 11,35 Euro geringfügig über dem Vortagesschlusskurs.

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