
Waterloo/WashingtonThorsten Heins hat erst seit Januar bei Research in Motion (RIM) das Sagen. Doch das gute halbe Jahr hatte es in sich. Es brennt an allen Ecken und Enden. Der Blackberry-Hersteller hat die Entwicklungen im Smartphone-Markt verpasst. Ob Heins die Kehrtwende schafft, ist fraglich. Erste Investoren fordern bereits seine Ablösung. Und dann sitzen ihm auch noch die Anleger im Nacken. Heute auf der Hauptversammlung konnte er ihren heißen Atem spüren, doch am Ende lief das Treffen glimpflich für sie ab.
Die Aktionäre wählten alle vorgeschlagenen Kandidaten in das höchste Firmengremium, den Verwaltungsrat - allerdings nicht ohne ihnen einen Denkzettel zu verpassen. So lag die Ablehnungsquote bei der Gremiumsvorsitzenden Barbara Stymiest bei 23 Prozent und beim Firmenmitgründer und vormaligen Chef Mike Lazaridis bei 19 Prozent. Heins wurden 15 Prozent der Stimmen verweigert.
„Das ist keine überwältigende Bestätigung der Mitglieder des Verwaltungsrats“, sagte Vic Alboini von Jaguar Financial. Heins versuchte die Anteilseigner, die angesichts des am Boden liegenden Kurses viel Geld verloren haben, zu beruhigen: „Wir wissen, dass das eine schwere Zeit für Aktionäre ist, und das viele frustriert sind.“ Er sei selbst nicht zufrieden mit der Leistung des Unternehmens.
Die goldenen Zeiten sind lange her: Mitte 2008 war eine RIM-Aktie noch rund 150 Dollar wert. Der Ex-Siemens-Manager Heins musste nun auf der ersten Aktionärsversammlung als RIM-Chef erklären, wie er gedenkt, die einstige Kultmarke „Blackberry“ wiederzubeleben.
Es ist ein Himmelfahrtskommando. Vor kurzem musste Heins ein Minus von 518 Millionen Dollar im ersten Quartal einräumen, der erste Verlust seit 2004. Gleichzeitig brach der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar ein. Zudem steckt Heins mitten in einem Sparprogramm: 5000 von 16.000 Stellen werden abgebaut.
Vier Jahre sind eine Ewigkeit in der schnelllebigen Welt der Kommunikation. Im April 2008 bewegte sich der Blackberry-Hersteller auf einer scheinbar unaufhaltbaren Erfolgswelle. Im Bereich Innovation gebe man sich bei RIM "nur mit dem Besten zufrieden", verkündete der damalige RIM-Chef Mike Lazaridis.
Doch vier Jahre später muss der jetzige Konzernchef Thorsten Heins gestehen: "Ich bin der Erste, der zugibt, dass RIM wichtige Trends in der Smartphone-Industrie verpasst hat." RIM hat den Trend zu berührungsempfindlichen Bildschirmen verpasst. Außerdem vernachlässigte RIM die zentrale Rolle des Internets auch für Smartphones.
RIM ist Kanadas bekanntestes Unternehmen. Erfolgsgarant war fast 20 Jahre lang das Duo Mike Lazaridis und Jim Balsillie. Unter ihrer Führung war RIM von einer kleinen Technologiefirma zu einem globalen Akteur aufgestiegen. Der in Istanbul als Sohn griechischer Eltern geborene Mike Lazaridis war der Technikfreak, der 1984 mit seinem Studienkollegen Douglas Fregin RIM als ein Dienstleistungsunternehmen gegründet hatte, das sich auf die drahtlose Datenübermittlung konzentrierte.
1992 schloss sich Jim Balsillie, der in Toronto und Harvard Wirtschaft und "Business Administration" studiert hatte, RIM an. Er steckte 250 000 Dollar in das Unternehmen, das 1997 an die Börse ging und ein Jahr später die erste "Schwarzbeere" (Blackberry) als Handcomputer auf den Markt brachte.
Um E-Mails zu empfangen, musste man nicht mehr am Computer sitzen oder seinen Laptop hochfahren. E-Mails werden mit einer Push-Technologie auf den Blackberry weitergeleitet. 2004 war ein "Markstein", als die Zahl der Kunden eine Million erreichte. 2008 waren es bereits 14 Millionen, heute sind es 78 Millionen Abonnenten.
Der Blackberry war Kult. Aber dieser Mythos ist verflogen. Anfang des Jahres mussten Lazaridis und Balsillie ihre Posten räumen. Der frühere Siemens-Manager Thorsten Heins übernahm - und ist seitdem vor allem der Überbringer schlechter Nachrichten. Zuletzt meldete der Konzern einen Quartalsverlust von 518 Millionen Dollar.
Der Umsatz war im Vergleich zum Vorjahr um 42 Prozent auf 2,8 Milliarden Dollar eingebrochen. Die Aktie - einst 150 Dollar wert - liegt derzeit bei sieben Dollar. Rund 5000 der weltweit etwa 16.000 Mitarbeiter müssen gehen. Und noch schockierender für die Investoren: Das Betriebssystem Blackberry 10, mit dem die Wende gelingen sollte, wird nicht im Herbst, sondern erst Anfang 2013 auf den Markt kommen. Der Grund: technische Probleme.
Zu allem Übel musste der Firmenchef Ende Juni auch noch mitteilen, dass der neue Hoffnungsträger des Konzerns, das Betriebssystem „Blackberry 10“, das im Herbst auf den Markt kommen sollte, wegen technischer Probleme erst Anfang 2013 so weit sein wird. Aktionärsvertreter haben Heins' Rücktritt gefordert, andere sehen Grund für eine Klage.
Immerhin soll das neue Blackberry nun in einigen Ländern bereits im Januar auf den Markt kommen. Das sagte der neue Marketingchef Frank Boulban am Rande der Hauptversammlung zu Bloomberg.

genau
Alle die hier Ihren Senf zu Thorsten Heins abgeben, sollten einmal wahrnehmen, das es nicht einfach ist, ein abschmierendes Flugzeug - oder mit anderen Worten eine 'brennende Platform' abzufangen. Wenn BB10 Anfang 2013 nicht kommt oder wieder verschoben werden müsste - dann definitiv ein Grund für Personalwechsel an der RIM-Spitze.
P.S: Immer noch Hut ab vor Lothar Pauly - eine ganz seltene Spzies von Manager die sowohl kommerziell als auch technisch/strategisch den Durchblick hatte - und viel in den glorreichen Zeiten des Mobilfunks - so etwa vor 10-15 Jahren ... zum Siemens MN - Wachstum beigetragen hat.
P.P.S: Heins verdient bei RIM sicherlich sehr viel Geld: 10mio USD+ / Jahr ... ausgesorgt hat er also so oder so.

Heins...der Mann heißt Heins!!!
Wie kann man sich gegenseitig der Ahnungslosigkeit bzgl. der Biographie eines Managers bezichtigen, dessen - zugegeben - einfachen Namen man nicht schreiben kann?

Thorsten Heinz war ein Protégé von Lothar Pauly. Heinz war wie andere Top Manager bei Siemens ein Totengräber des Siemens Com der von seinen Mentoren abwechselnd zu ICM Solutions, dann ICN ON und später MP geschoben wurde. Keiner der Bereiche schaffte einen nachhaltigen Turnaround.
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