Risikovorsorge für Oracle-Klage
SAP hofft auf milde Richter

Nach monatelanger Durststrecke hat SAP mit hervorragenden Zahlen zum zweiten Quartal den Befreiungsschlag geschafft. Nicht mal die weiterhin bestehenden Industriespionage-Vorwürfe des Erzrivalen Oracle konnten die Stimmung trüben. Die Walldorfer selbst gehen auch nicht davon aus, dass Ihnen großes Ungemach aus Übersee droht.

HB WALLDORF/LONDON. Mit der Vorlage Zwischenbilanz erreichte der Weltmarktführer für Unternehmenssoftware am Donnerstag nicht nur eine Korrektur seines zuletzt arg angekratzen Images. SAP gelang es auch, die Talfahrt an der Börse zu stoppen und wieder ins Plus zu drehen.

Trotz der positiven Trendwende kamen von Vorstandschef Henning Kagermann keine triumphalen Gesten. Weder erhöhte der Top-Manager des Weltmarktführers für Unternehmenssoftware die Prognose für das Gesamtjahr. Sticheleien in Richtung seines Hauptkonkurrenten Oracle verkniff sich der 60-Jährige ebenfalls bei der Präsentation der Halbjahreszahlen in London: „Wir haben unser Ergebnis mit organischem Wachstum erreicht und liegen beim Marktanteil klar vor Oracle“, war nahezu der einzige Kommentar zu dem US-Konzern, der zuletzt rund 25 Mrd. Dollar für Zukäufe ausgegeben hatte, um zu SAP aufzuschließen. Der Weltmarktanteil sei binnen Jahresfrist ohne größere Zukäufe um 3 Prozentpunkte auf 26 Prozent gestiegen, weit vor Oracle mit 15,5 Prozent.

Geringe Risikovorsorge

Dass die Klage von Oracle-Chef Larry Ellison wegen Diebstahls geistigen Eigentums aber weiter wie ein Schatten über der Walldorfer Software-Schmiede hängt, konnte auch Kagermann nicht verhehlen. Er habe mit vielen Kunden über die Industriespionagevorwürfe gesprochen, erklärte der Manager. Diese hätten zwar versichert, dass sie SAP für ein vertrauenswürdiges Unternehmen halten. SAP habe aber dennoch wegen der juristischen Auseinandersetzung mit Oracle Rückstellungen gebildet. Diese liegen laut Kagermann allerdings bei unter 10 Mill. Euro. Das erscheint wenig, geht es vor US-amerikanischen Gerichten doch schnell um dreistellige Millionensummen.

Rund eine Woche nach Kagermanns 60. Geburtstag ließ sich die Börse aber nicht von den dürren Worten zu dem schwebendem Verfahren leiten, sondern setzte die SAP-Aktie bis zum Nachmittag mit einem Plus von mehr als 6 Prozent an die Dax-Spitze. Das Papier übersprang erstmals seit dem Jahresbeginn die Marke von 40 Euro. Zwischenzeitlich war die Aktie auf unter 33 Euro gefallen.

Seite 1:

SAP hofft auf milde Richter

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%