Rocket Internet

Abbauen, Aufbauen, Umbauen

Rocket Internet steht in Deutschland unter scharfer Beobachtung. Gerüchte über einen Strategiewechsel und Personalabbau dementiert die Internet-Plattform – dabei dürfte beides den Aktionären sehr gelegen kommen.
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Düsseldorfer

Der Rocket-Internet-Chef spricht seit längerem davon, nicht mehr nur selbst aufzubauen, sondern sich an vielversprechenden Modellen beteiligen zu wollen. Quelle: dpa
Oliver Samwer

Der Rocket-Internet-Chef spricht seit längerem davon, nicht mehr nur selbst aufzubauen, sondern sich an vielversprechenden Modellen beteiligen zu wollen.

(Foto: dpa)

Wenn bei Rocket Internet etwas schiefläuft, ist die Aufregung immer groß. Die von ihrem Gründer und Chef Oliver Samwer so genannte „größte Internet-Plattform außerhalb der USA und Chinas“ steht in Deutschland unter scharfer Beobachtung – nicht zuletzt, weil der Aktienkurs von Rocket Internet seit dem Börsengang 2014 nur eine Richtung kennt: nach unten.

Am Freitagmorgen fiel der Kurs zwischenzeitlich wieder einmal um mehrere Prozentpunkte. Das „Manager Magazin“ hatte von „massivem Personalabbau“ in der Zentrale von Rocket Internet berichtet und über einen Strategiewechsel spekuliert, der den Anlegern bislang verschwiegen worden sei. Der Konzern dementierte umgehend: Der Bericht über den Personalabbau entbehre „jeder Grundlage“, hieß es. Auch von einem Strategiewechsel könne keine Rede sein. Dabei wäre beides gar keine so schlechte Nachricht für die Aktionäre.

Tatsächlich sind nach Informationen des Handelsblatts in der Konzernzentrale in Berlin derzeit nur noch um die 300 Leute angestellt – zum Ende des letzten Jahres waren es noch mehr als 400. Ein massiver Personalabbau jedoch sieht anders aus: Zu den Ex-Mitarbeitern zählt unter anderem Christian von Hardenberg, der ehemalige Technik-Chef. Er arbeitet inzwischen für die Lieferdienstplattform Delivery Hero – eine Firma, deren größter Aktionär Rocket Internet ist. Auch über 20 PR-Mitarbeiter zählen offiziell nicht mehr zum Personal – jedoch nicht, weil sie rausgeschmissen wurden, sondern weil sie inzwischen für eine Tochterfirma arbeiten.

Was wird die nächste Rakete von Rocket Internet?
Hello Fresh
1 von 10

Rezepte aussuchen, passende Lebensmittel in der richtigen Menge liefern lassen und anschließend Kochen – so bequem soll die Zubereitung sein. Zumindest wenn man der Beschreibung von Hello Fresh glauben darf. Gerade Kunden in den USA und Großbritannien haben den Service für sich entdeckt. Das Ergebnis: Mit einem Umsatzwachstum von 159 Prozent in den vergangenen zwölf Monaten gehört Hello Fresh zu den wirklich schnellen Raketen im Rocket-Reich. Allerdings stieg auch der Verlust – von minus 21 auf minus 45 Millionen Euro, was Rocket Internet mit dem hohen Wachstum und dem Einstieg in neue Märkte begründet.

Foodpanda
2 von 10

m Foodpanda ist eine Essenslieferplattform für die Entwicklungs- und Schwellenländer, aktiv vor allem in den Balkanländern und in Südostasien. In Ländern wie Bangladesch und Kasachstan hat Rocket Internet eine echte Vorreiterrolle inne – allerdings sind hier auch die Warenkörbe kleiner als im reichen Westen. Foodpanda kassiert aber lediglich eine kleine Provision von den Restaurants, die das bestellte Essen an die Kunden ausliefern. Die Rocket-Beteilung steigerte ihren Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um 72 Prozent auf 22 Millionen Euro.

Namshi
3 von 10

Namshi ist der erste einer Reihe seltsam klingender Unternehmensnamen, die alle eines gemeinsam haben: Sie kopieren die Idee von Zalando, Mode im Internet zu verkauf. Dabei operieren sie aber vor allem in Schwellenländern. Rocket Internet fasst sie als „Global Fashion Group” zusammen. Namshi ist im Nahen Osten aktiv und zur Zeit das High-Light der ganzen Gruppe: Als einziges Start-up aus dem Kosmos der großen Rocket-Beteiligungen konnte Namshi in den ersten sechs Monaten des Jahres ein positives Ergebnis (Ebitda) von immerhin 1,6 Millionen Euro auf sich verbuchen – bei einem respektablen Umsatzwachstum von knapp über 50 Prozent zum Vorjahr. Namshi könnte eine der drei Beteiligungen werden, die Rocket-Chef Oliver Samwer bis Ende 2017 profitabel haben möchte.

Dafiti
4 von 10

Dafiti ist ein Modehändler in Lateinamerika nach dem Vorbild von Zalando, angesiedelt in Brasilien. Das Unternehmen gehört zur Global Fashion Group, in der Rocket Internet seine Zalando-Klone bündelt. Der Umsatz von Dafiti stieg in den vergangenen zwölf Monaten um 22 Prozent auf 136 Millionen Euro. Laut Finanzchef Peter Kimpel wäre das Wachstum noch beeindruckender, könnte man es in der brasilianischen Landeswährung darstellen. Rocket Internet ist aber an der deutschen Börse notiert. Und die interessiert sich auch für die Verluste: Die betrugen bei Dafiti noch minus 13 Millionen Euro – eine deutliche Verbesserung immerhin zu den minus 41 Millionen im ersten Halbjahr 2015.

Zalora
5 von 10

Die Australier sind digitalen Geschäftsideen traditionell ziemlich aufgeschlossen. So ist es kein Wunder, dass der Modehändler Zalora, der den südostasiatischen Markt bedient, zu dem aber auch der australische Zalando-Klon „The Iconic” gehört, immer noch beeindruckende Wachstumsraten aufweist. Der Umsatz stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 32 Prozent auf 126 Millionen Euro. Die Kosten muss der Laden aber noch in den Griff bekommen. Der Verlust ist zwar nicht mehr ganz so hoch wie noch vor einem Jahr; mit einem Minus von 32 Millionen Euro steckt Zalora aber immer noch tief in den roten Zahlen. Rocket Internet braucht eine neue Rakete, um Fehlstarts wie diese auszugleichen.

Lamoda
6 von 10

Online-Shopping in Russland funktioniert etwas anders als in Deutschland – nicht nur, weil die Staatspost zwischen Sibirien und dem schwarzen Meer nicht gerade schnell ist. Lamoda, das russische Zalando, beschäftigt eigene Kurierfahrer, die zum Teil vor dem Haus warten, bis die Kundin die Klamotten anprobiert und aussortiert hat. Manchmal nehmen die Fahrer auch Bargeld entgegen, weil die Russen nicht gerne online zahlen. Vor diesem Hintergrund ist es beachtlich, dass Lamoda seine Kosten senken und den Verlust in den vergangenen zwölf Monaten von 17 auf minus sieben Millionen Euro verringern konnte. Der Umsatz stieg immerhin noch um 15 Prozent auf 125 Millionen Euro.

Jumia
7 von 10

Afrika ist für die meisten deutschen Unternehmen noch immer ein Kontinent, in dem man Hilfsprojekte gründet, aber keine Geschäfte macht. Nicht für Rocket Internet. Unter dem Namen Jumia verkaufen die Berliner von Lagos in Nigeria aus Mode und Elektroartikel über das Internet und Smartphone. Das läuft nicht immer glatt – im vergangenen Jahr musste Jumia auf einen Schlag ein Drittel seiner Angestellten entlassen. Jetzt wird umgestellt, vom reinen Online-Handel zu einem Marktplatzmodell, bei dem die Plattform lediglich an der Provision verdient. Entsprechend fielen die Umsätze des ersten Halbjahrs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 56 Prozent.

Rocket Internet, das ist ein Firmengeflecht aus mehr als 500 Unternehmen – manche gehören direkt, andere nur zum Teil zu der Berliner Start-up-Holding. Weltweit beschäftigt Rocket mehr als 30.000 Mitarbeiter.

Auch ein Strategiewechsel ist nicht von der Hand zu weisen. Hatte Rocket Internet zu Zeiten des Börsengangs noch damit geworben, selbst Start-ups gründen und großmachen zu wollen, wird inzwischen auch in bestehende Unternehmen investiert. Allerdings ist diese Erkenntnis weder neu noch Grund zur Beunruhigung.

Die besten Ideen kommen nicht zwangsläufig aus der Zentrale
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