Rocket Internet

Samwer will wieder mehr investieren

Mit Hello Fresh und Delivery Hero hat der Rocket Internet im Jahr 2017 zwei erfolgreiche Börsengänge hingelegt. Nun will der Berliner Investor Oliver Samwer mit seiner Startup-Schmiede auf Einkaufstour gehen.
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Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender, will dieses Jahr wieder mehr Geld in neue Start-ups stecken. Quelle: dpa
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Oliver Samwer, Gründer und Vorstandsvorsitzender, will dieses Jahr wieder mehr Geld in neue Start-ups stecken.

(Foto: dpa)

BerlinRocket Internet will wieder verstärkt auf Einkaufstour gehen und hat dafür große Reserven angehäuft. „Um Firmen in einer bestimmten Größe aufbauen zu können, benötigt man mehr Kapital als jemals zuvor“, sagte Firmenchef Oliver Samwer in einem am Donnerstag veröffentlichten Reuters-Interview. Aktuell sind die Kassen der Startup-Schmiede mit 1,6 Milliarden Euro an Cash gefüllt. Bei der Suche nach dem nächsten Hauptgewinn schaut sich Rocket laut Samwer monatlich „200 bis 300 neue Firmen“ an. „Es kann sein, dass wir 2018 oder 2019 die Möglichkeit haben, mehrere 100 Millionen Euro auf einmal zu investieren“, sagte der 45-Jährige, der Rocket Internet vor elf Jahren zusammen mit seinen beiden Brüdern gegründet hat.

Die Kritik an Samwer war zuletzt vernehmlich lauter geworden. Investoren hatten ihn wiederholt aufgefordert, Geld in die Hand zu nehmen, um den dümpelnden Aktienkurs aufzupäppeln oder sich sogar wieder ganz von der Börse zu verabschieden. Denn mit aktuell knapp 23 Euro liegt die im SDax notierte Rocket-Aktie deutlich unter dem Ausgabewert beim Debüt im Oktober 2014: Damals zahlten Anleger 42,50 Euro je Papier. Samwer räumte ein, dass die Kursentwicklung nicht zufriedenstellend sei, betonte aber auch: „Wir planen zum heutigen Zeitpunkt nicht, Rocket Internet von der Börse zu nehmen.“ Ob zur Kurspflege ein weiteres Aktienrückkaufprogramm geplant ist, ließ er offen.

Lange Zeit war Rocket Internet vor allem dafür bekannt, Firmen nach dem Fließband-Prinzip zu gründen und dabei Geschäftsmodelle zu übernehmen, die sich bereits im Ausland als erfolgreich erwiesen haben. Das erste Unternehmen der Samwer-Brüder war beispielsweise ein eBay-Klon, den sie schnell an das Original verkauften. Nun tritt das Berliner Unternehmen verstärkt auch als Investor auf, beteiligt sich also auch an bereits bestehenden Unternehmen.

Im Rennen um den nächsten Coup hält Samwer nach eigenem Bekunden vor allem in Europa, den USA und Schwellenländern Ausschau. Dabei verwies Samwer auf die Erfolge mit dem Kochbox-Versand HelloFresh und dem Essenslieferdienst Delivery Hero, die 2017 beide an die Börse in Frankfurt gegangen sind. Die Aktien beider Firmen liegen aktuell über dem damaligen Ausgabepreis. „Wir halten über 100 Beteiligungen und sind zuversichtlich, dass wir da auch Erfolge in den kommenden Jahren feiern werden. Kleine Pflänzchen können plötzlich groß werden.“

Die größten Börsengänge in Deutschland
Delivery Hero
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Der Berliner Essenslieferdienst Delivery Hero geht an die Börse. Die Aktien des Unternehmens aus der Start-up-Schmiede Rocket Internet wird an diesem Freitag zum ersten Mal an der Frankfurter Börse gehandelt. Den Ausgabepreis der neuen Aktien setzte das Unternehmen auf 25,50 Euro fest. Das ist das obere Ende der zuvor ausgegebenen Preisspanne. Damit nimmt das Start-up mit dem Börsengang knapp eine Milliarde Euro ein. Die richtig großen Börsengange gibt es allerdings hier...

Platz 10: Rocket Internet
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Rocket Internet ist ein Internet-Inkubator. Das 2007 von den Samwer-Brüdern gegründet Unternehmen identifiziert Internet-Geschäftsmodelle und überträgt diese dann auf neue Märkte, die zumeist in schnell wachsenden Schwellenländern liegen. Ende 2016 befanden sich 125 (Vorjahr: 182) voll- und 48 (51) teilkonsolidierte Töchter im Portfolio der Rocket Internet. Bei dem Börsengang wurde die Aktie zehnfach überzeichnet, wurde mit 42,50 Euro pro Aktie ausgegeben, was 6,7 Milliarden Euro entspricht. Am Ende betrug der Wert an der Börse aber nur 1,4 Milliarden Euro.

Platz 10: Symrise
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Am 11. Dezember 2006 debütierte die Aktie des Duft- und Aromenherstellers Symrise. Rund 1,4 Milliarden Euro erlösten das Holzmindener Unternehmen und der schwedische Finanzinvestor EQT mit 81 Millionen Aktien zu je 17,25 Euro. EQT hatte 2002 die Bayer-Tochter Haarmann & Reimer gekauft und mit dem Familienunternehmen Dragoco verschmolzen.

Platz 9: Telefónica Deutschland
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Der Vorstandsvorsitzende der Telefonica Deutschland, Rene Schuster, posiert am 2012 in der Deutschen Börse in Frankfurt am Main mit einem Telefon. Die Aktie von Telefonica Deutschland war damals bei ihrer Erstnotiz über ihren Ausgabepreis gestiegen. Nachdem die Anteilsscheine des Telekom-Unternehmens, das unter der Marke O2 auftritt, für 5,60 Euro an die Zeichner zugeteilt worden waren, notierten die Papiere kurz nach Handelsstart in Frankfurt am Main mit knapp zwei Prozent im Plus bei 5,78 Euro. Insgesamt spülte der Teilverkauf der deutschen Tochter dem spanischen Telefonica-Konzern inklusive der Mehrzuteilungsoption etwa 1,45 Milliarden Euro in die Kassen.

Platz 8: Covestro
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Der Bayer-Kunststofftochter Covestro gelang 2015 ein erfreulicher Börsengang. Der Kurs lag mit 26,50 Euro deutlich über dem Ausgabepreis von 24 Euro. Die Bookbulding-Spanne von Covestro lag bei 21,50 bis 24,50. Nach Angabe des Unternehmens hatten Anleger deutlich mehr Aktien gezeichnet als überhaupt ausgegeben würden. Die Covestro AG ist einer der weltweit führenden Anbieter von Hightech-Materiallösungen und -Polymerwerkstoffen für zahlreiche Branchen. Am Ende betrug der Wert der Aktie 1,5 Milliarden Euro.

Platz 7: Deutsche Postbank
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Am 23. Juni 2004 kam die Postbank an den Markt. Die Deutsche Post verkaufte 55 Millionen Aktien und eine Umtauschanleihe und sammelte 2,6 Milliarden Euro ein. Doch verlief der Börsengang nicht problemlos: Ursprünglich waren mehr Aktien zu einem höheren Preis angeboten worden. Für Aufruhr sorgte, dass der im Emissionskonsortium vertretenen Deutschen Bank Interesse an der Postbank nachgesagt wurde – heute ist sie tatsächlich an ihr beteiligt. Am Ende war die Emission zweifach überzeichnet, der erste Kurs lag mit 29 Euro über dem Ausgabepreis. Am Ende für das Unternehmen mit 1,6 Milliarden Euro bewertet.

Platz 6: Tognum
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Der Hersteller von Dieselmotoren für Schiffe, Panzer und Schienenfahrzeuge sammelte mit seinem Debüt am 2. Juli 2007 zwei Milliarden Euro ein, wovon der Großteil an den schwedischen Finanzinvestor EQT ging. An der Börse startete die Aktie etwas über dem Ausgabepreis von 24 Euro. Wenige Monate später wurde sie in den MDax aufgenommen.

Bei den Online-Essenslieferdiensten kann sich Samwer eine Konsolidierung vorstellen. Delivery Hero konkurriert hier etwa mit dem Lieferando-Anbieter Takeaway.com, Just Eat und Grubhub. Es hätten sich weltweit auch nur „eine große Suchmaschine und ein großes Online-Buchungsportal“ durchgesetzt. Welche Rolle die Rocket-Beteiligung Delivery Hero bei einem Zusammenschluss spielen könnte, ließ Samwer offen. Das würden die Gründer selbst entscheiden. Rocket hatte seinen Anteil zuletzt stetig reduziert.

Auch der Online-Möbelhändler Westwing sowie Home24 und der Zalando-Klon Global Fashion Group gehören zu den Startups aus dem Hause Rocket Internet. Sie schreiben allesamt noch Verluste. Immer wieder gab es deshalb Gerüchte, dass Westwing und Home24 fusionieren könnten. Samwer bezeichnete das als reines Gedankenspiel und verwies auf die unterschiedlichen Kundengruppen sowie die geografische Aufstellung.

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