Rocket Internet: Samwers Rendezvous mit der Realität

Rocket Internet
Samwers Rendezvous mit der Realität

Rocket Internet hat im ersten Halbjahr eine halbe Milliarde Euro Verlust gemacht – will aber weiter bis Ende 2017 drei profitable Firmen präsentieren.
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BerlinAls Rocket Internet 2014 an die Börse ging, wurde Rocket-Chef Oliver Samwer dafür kritisiert, dass er sein Unternehmen nur im Entry Standard listet. Dieses Börsensegment sieht geringere Berichts- und Transparenzpflichten vor, als der Prime Standard. Ohne den Prime Standard ist ein Aufstieg in TecDax, MDax oder gar Dax unmöglich. Der Prime Standard sei sein Ziel, sagte Samwer damals, das sei eines der Ziele, „an denen Sie uns messen können.“

Ende September sollte es so weit sein. Nur: Von Vollzug kann keine Rede sein. Rocket bricht sein Transparenz-Versprechen: Die Aufnahme in den Prime Standard bleibe weiter „ein Ziel“, sagte Finanzchef Peter Kimpel in einer Telefonkonferenz anlässlich der Vorlage der Halbjahreszahlen, zum jetzigen Zeitpunkt bleibt Rocket aber im Entry Standard. Wann sich Rocket für die für Unternehmen seiner Größe üblichen Berichtspflichten bereit sieht, wollte Kimpel nicht weiter kommentieren.

Update: Einen Tag später teilte Rocket Internet mit, dass das Unternehmen die Zulassung seiner Aktien zum regulierten Markt beantragt hat. Der Handel mit Aktien von Rocket Internet im Prime Standard werde voraussichtlich rund um den 27. September beginnen.

Das Versprechen, wenigstens eines seiner E-Commerce-Töchter bald an die Börse zu bringen, muss Rocket voraussichtlich kassieren: „In den nächsten 18 Monaten geht eins unserer Start-ups an die Börse“, sagte Samwer vor fast genau einem Jahr. Kimpel gab sich jetzt deutlich vorsichtiger: „Wir werden sehen, wo die Märkte sind“, sagte der Rocket-Finanzchef. Etwas „ökonomisch nicht Kluges“ werde man nicht tun.

Es ist nachvollziehbar, dass Rocket seine Beteiligungen erst mal konsolidieren will, bevor es neue Börsengänge anstrebt. In den vergangenen sechs Monaten machten die wichtigsten Rocket-Beteiligungen zusammen einen Verlust von 300 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 200 Millionen gewesen. Als Motto des Jahres 2016 hatte Rocket-Chef Oliver Samwer die „Verbesserung der Profitabilität“ vorgegeben. Dafür sollten Prozesse verbessert und Strukturen verschlankt werden. Auch Stellen hat Rocket in den vergangenen Monaten abgebaut. Man könnte es auch Rendezvous mit der Realität nennen.

Dass der Gesamtkonzern für das erste Halbjahr einen Verlust von einer halben Milliarde Euro ausweisen muss, liegt vor allem daran, dass der Wert einer seiner Beteiligungen, der Modegruppe Global Fashion Group, bei der letzten Finanzierungsrunde von drei Milliarden auf eine Milliarde nach unten korrigiert werden musste. Auch beim Möbelhändler Home24 kam es zu einer Wertberichtigung um fast die Hälfte. Das Start-up, das schon als Einhorn gehandelt wurde, ein Unternehmen also, dass mehr als eine Milliarde Euro wert ist, steht jetzt nicht mal mehr mit einer halben Milliarde in den Büchern.

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Wenigstens Hello Fresh hält seine Bewertung

Kommentare zu " Rocket Internet: Samwers Rendezvous mit der Realität"

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  • Rocket Internet, ein schöner Name und so voller Verheißung ans Nirvana.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich. http://www.handelsblatt.com/netiquette

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