Rohde und Schwarz
Die Erben von Telefunken

Der kleine schwarze Funkchip liegt auf dem Labortisch. Sensoren messen sein Innenleben: Sendet er im richtigen Takt, sind seine Signale sauber, trifft der Prozessor die gewünschte Frequenz? Der Techniker nickt, das Funk-EKG ist in Ordnung. Der kleine Chip darf mitmachen im großen babylonischen Sendegewirr von Handys, Laptops und Funknetzen, die unseren Äther in ein Meer von Schwingungen verwandeln.

„Wir wollten Ihnen mal zeigen, was wir hier so treiben“, sagt Friedrich Schwarz, Vorstandsvorsitzender und Miteigentümer des Traditionsunternehmens Rohde und Schwarz. 35 Mill. Euro hat der Firmenchef an Münchens Ostbahnhof verbaut – herausgekommen ist ein Technologiezentrum aus Stahl und Glas. Und während die Halbleiterkonzerne Epcos und Infineon nebenan Werke schließen und Stellen streichen, stellt der Messtechnikspezialist fleißig ein. Fast 700 neue Mitarbeiter seit 2003, Ende dieses Jahres werden 6 500 Techniker in Diensten des Familienunternehmens stehen. 20 Prozent Wachstum, 1,1 Mrd. Euro Umsatz, zweistellige Umsatzrenditen. Das Aufgabengebiet bringt Schwarz auf einen Satz: „Funkfrequenzen sind ein rares Gut geworden: teuer und knapp.“ Da wird einer gebraucht, der Ordnung schafft.

Messen, Senden Peilen: Rohde und Schwarz hat auf dem Weltmarkt für Funktechnik mittlerweile eine ähnliche Schrittmacherfunktion wie Telefunken in den zwanziger Jahren. Doch statt krächzende Rundfunkkonzernte über den Volksempfänger zu übertragen perfektionieren die Techniker heute digitale Sendenetze, die jede gewünschte Datenmenge mobil machen. „Wir arbeiten hier an Möglichkeiten, an die bislang keiner gedacht hat“, sagt der Firmenchef stolz. Der Laie ahnt nur, was hinter Begriffen wie WIMAX, WCDMA und Flash-OFDM steckt: Computer, Handy und Fernseher wachsen zusammen, die multimediale Wollmilchsau ist nicht mehr weit.

Der Härtetest erwartet die Münchener Funktechniker im kommenden Jahr vor der Haustür. Denn bei der Fußballweltmeisterschaft werden die neuen Übertragungsstandards in den Massenmarkt geschickt – vom hochauflösenden Fernsehen im Wohnzimmer (HDTV) bis zum mobilen Internet auf dem Handy. Wenn das nicht „funk“-tioniert, sagt ein Messtechniker lapidar, „dann haben die Endgerätehersteller ein Akzeptanzproblem beim Endkunden“.

Und so drängen sich vor allem Besucher aus China und Japan in den Labors der Münchener – sie werden das Milliardengeschäft mit den Endgeräten machen. Beim Messen, Kalibrieren und Peilen verlassen sie sich aber lieber auf deutsche Wertarbeit.

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