Rotstift angesetzt
Siemens streicht bis zu 15 000 Stellen

In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Verwaltungsausgaben bei Siemens fast verdoppelt, nun soll der Rotstift massiver als erwartet angesetzt werden: Der Stellenabbau wird noch höher ausfallen als von Arbeitnehmervertretern befürchtet. Weltweit sollen 10 000 bis 15 000 Arbeitsplätze in Vertrieb und Verwaltung wegfallen, erfuhr das Handelsblatt aus Arbeitnehmerkreisen.

MÜNCHEN. Ein Konzernsprecher wollte die Zahl nicht kommentieren. „Wir stehen im Dialog mit den Arbeitnehmervertretern“, sagte der Sprecher. Vorstandschef Peter Löscher hatte angekündigt, dass die Vertriebs- und Verwaltungskosten bis 2010 um zehn Prozent – das sind 1,2 Milliarden Euro – verringert werden sollen. Dies sei ohne Stellenabbau nicht möglich. In Arbeitnehmerkreisen war mit mehreren Tausend, maximal 10 000 bedrohten Arbeitsplätzen gerechnet worden. Insgesamt hat Siemens derzeit etwa 435 000 Mitarbeiter, knapp ein Drittel davon in Deutschland.

Die IG Metall forderte angesichts der neuen Zahlen eine sozialverträgliche Umsetzung des Stellenabbaus bei Siemens. Es dürfe nicht sein, dass die Beschäftigten die Folgen des Korruptionsskandals auszubaden hätten, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Werner Neugebauer in München. Einem innovativen Konzern wie Siemens müsse mehr einfallen als bloßer Stellenabbau.

In den vergangenen Jahren wurden Zehntausende Arbeitsplätze in der Produktion gestrichen. In der Verwaltung gab es nach Einschätzung von Analysten noch Nachholbedarf. Der Konzern hat deutlich höhere Verwaltungskosten als vergleichbare Unternehmen. In den vergangenen zehn Jahren haben sich die Ausgaben fast verdoppelt. „Siemens muss so effizient werden wie der weltweite Wettbewerb“, hieß es in Branchenkreisen. Die geplante Einsparungen sind zudem eine logische Konsequenz aus dem radikalen Konzernumbau, den Löscher dem Unternehmen verordnet hat.

Bisher war Siemens in rund ein Dutzend Bereiche aufgeteilt. Seit Jahresbeginn gibt es nur noch die drei Sektoren Energie, Industrie und Gesundheit. Die Zahl der Konzernvorstände sank von elf auf acht. Statt 70 Regionalgesellschaften gibt es zudem künftig 20 regionale Cluster. Allein dadurch fallen viele Funktionen in der Verwaltung weg. Zudem gilt es im Unternehmen als konsequent, dass nach den Kürzungen in der Produktion nun auch bei der Verwaltung der Rotstift angesetzt wird.

Mit dem Sparprogramm macht sich Siemens auch sattelfest für das erwartete Abflauen der Weltkonjunktur. Die Kunden seien infolge der Finanzkrise zurückhaltender geworden, warnte Löscher kürzlich.

Axel Höpner
Axel Höpner
Handelsblatt / Büroleiter München
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