Pro Sieben Sat 1 und RTL versuchen ein neues Werbezeitenmodell einzuführen. Beide TV-Konzerne haben damit große Schwierigkeiten oder?
Wir nehmen sehr deutlich wahr, dass die Kunden mit den neuen Werbezeitenmodellen verunsichert sind. Sie werden vom Markt nicht wie gewünscht angenommen. Bei RTL 2 fahren wir hingegen ein klassisches Vermarktungsmodell. Das kommt an.
RTL und Pro Sieben Sat 1 haben fast 200 Mill. Euro in einem Vergleich an das Bundeskartellamt wegen illegaler Preisabsprachen gezahlt. Profitiert RTL 2 davon, dass der Sender seinen eigenen Weg geht?
Natürlich profitieren wir auch von der starken Verunsicherung im Markt. Aber vor allen Dingen nimmt der Markt unser klares Vermarktungsmodell an. Das hat uns der starke Januar für RTL 2 gezeigt.
Wie sehen denn ihre Erwartungen für 2008 aus?
Wir wollen um mindestens fünf Prozent bei den Netto-Werbeeinnahmen wachsen.
Wo soll das Wachstum herkommen?
Durch mehr Zuschauer und eine bessere Kapitalisierung des Marktanteils. Wir haben 6,3 Prozent Marktanteil im vergangenen Jahr in der werberelevanten Zielgruppe der 14-49 Jährigen erzielt. Das ist eine Steigerung um 0,3 Prozentpunkte zum Vorjahr. Darauf sind wir stolz. Zudem sind wir im Konkurrenzvergleich ein junger Sender.
Doch wo soll das Wachstum herkommen?
Wir investieren weiter ins Programm. Das Investment in hochwertige Programmlizenzen und Auftragsproduktionen zahlt sich aus. So haben wir eine ganze Reihe von Hollywood-Serien wie „Dexter“ oder „Californication“ im Portfolio, die wie „Heroes“ im letzten Jahr Furore machen werden. Damit werden wir unsere Marktanteile ausbauen.
Können Sie eine Zahl nennen?
Wir wollen 6,3 Prozent plus x Marktanteil in der Zielgruppe.
Das vergangene Jahr war für RTL 2 wirtschaftlich durchwachsen. In der Branche wird kolportiert, sie hätten 2007 ihr Nettowerbeerlösziel nicht erreicht? Stimmt das?
2007 ist es uns gelungen, unser Planziel zu übertreffen. Klar ist, dass unsere Mitbewerber der beiden großen Sendergruppen sich über 80 Prozent des Werbemarktes holen. Wir sind gut positioniert und wollen unseren Anteil in Zukunft natürlich ausbauen.
Wird sich nun die Situation im Werbemarkt verbessern, nachdem das Kartellamt eingegriffen hat?
Wir werden durch die Kartellamtsentscheidung gestärkt. Da habe ich keine Zweifel. Außerdem werden wir unsere Zusatzgeschäfte im Musikbereich wie mit „The Dome“, aber auch im Internet und im Merchandising ausbauen. Wir wollen unabhängiger vom Werbemarkt werden.
Lesen Sie weiter auf Seite 4: Wie ernst Starke die Konkurrenz aus dem Internet nimmt.

