RTL-Chefin Anke Schäferkordt
„Der Einsatz von US-Ware ist günstiger“

Anke Schäferkordt ist seit September 2005 Chefin der RTL Gruppe Deutschland. Mit dem Handelsblatt sprach sie über die Gründe, warum immer mehr amerikanische Produktionen den Weg in das deutsche Fernsehprogramm finden.

Warum hat Hollywood die deutschen Fernsehprogramme so stark im Griff wie seit vielen Jahren nicht mehr?

Das Angebot an hochklassigen US-Dramaserien, deren Themen auch für den deutschen Zuschauer relevant sind, ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Das liegt zum einen daran, dass die Dramaserien die Sitcoms in den amerikanischen Fernsehprogrammen verdrängt haben. Ein weiterer Grund ist die Renaissance des Genre Krimi.

Sie spielen auf den Erfolg von RTL und Vox mit der amerikanischen Krimiserie CSI an?

CSI war sicher der Auslöser dafür, dass sich auch die großen europäischen Sender wieder für amerikanische Serien interessieren. Alle drei CSI-Serien erzielen auf RTL und Vox phantastische Marktanteile.

Als Sie vor fünf Jahren als Vox-Chefin CSI einkauften, haben Sie mit diesem Erfolg gerechnet?

Wir haben von Anfang an an den Erfolg geglaubt, aber ich muss zugeben, nicht in dieser Größenordnung.

Macht die höhere Produktionsqualität den erneuten Erfolg der US-Filme und Serien aus?

Ich glaube, die Qualität allein reicht nicht aus, den Erfolg Hollywoods im deutschen Fernsehen zu erklären. Beispielsweise sind die Krankenhausserie „Grey's Anatomy"“ oder die Polit-Serie „Welcome, Mrs. President“ hervorragend produziert. Dennoch haben sie in Deutschland bislang nicht funktioniert.

Was ist dann entscheidend?

Wenn das Thema, wie zum Beispiel bei „Welcome, Mrs. President“, zu amerikanisch ist, bleibt eine Serie hierzulande ohne Erfolg. Das erklärt auch, warum nur ein Bruchteil der US-Serien in der deutschen Hauptabendzeit zu sehen ist.

Im Vergleich zu deutschen Produktionen ist US-Ware billiger. Was kostet eine Serie wie CSI?

Nach wie vor ist der Einsatz von US-Lizenzserien für einen Sender günstiger als fiktionale Eigenproduktionen, auch wenn die Preise für die Top-Serien in den letzten Jahren wieder gestiegen sind. Als wir die erste CSI-Serie erworben haben, sah es auf Grund geringerer Nachfrage seitens der Sender noch etwas anders aus.

Wie sind heute die Preise für CSI?

Natürlich sind die Preise inzwischen gestiegen. Weil wir die Marke CSI für die RTL-Sendergruppe sichern wollten, haben wir kürzlich jedoch nicht nur unsere Verträge um mehrere Jahre verlängert, sondern zusätzlich auch noch die Video-on-Demand-Rechte erworben.

Ist der Höhepunkt Hollywoods im deutschen Fernsehen erreicht?

„Dr. House“ und „Monk“ haben erst im September neue Rekordmarktanteile erreicht. Noch im Oktober nehmen wir mit „Bones“ eine weitere US-Serie ins Programm. Aber auch in diesem Genre funktioniert der Markt wellenförmig. Nicht alle neuen US-Serien werden in Deutschland ein Erfolg werden. Auch mit anderen Programmen wird man Marktanteile jenseits der 20 Prozent erzielen können.

Warum sollte der Boom enden?

In der neuen Saison sind in den USA vor allem Serien mit durchlaufenden Geschichten gestartet. Die in Deutschland erfolgreichsten Serien erzählen jedoch pro Episode eine abgeschlossene Handlung. Insoweit bleibt der Erfolg der neuen US-Serien abzuwarten.

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