RTL
Fußball-EM drückt die Werbeerlöse des TV-Konzerns

Von Sportereignissen wie Olympia oder der Fußball-Europameisterschaft kann die RTL Group auf dem deutschen Markt nicht profitieren. Dennoch hebt die Bertelsmann-Tochter ihre Gewinnziele an.

LuxemburgGeringere Werbeeinnahmen wegen der Fußball-Europameisterschaft haben bei Europas größtem TV-Konzern RTL die Quartalsbilanz getrübt. Wie erwartet ließen Werbekunden im Juni ihre Reklame lieber während der Live-Übertragungen der EM-Spiele bei den öffentlich-rechtlichen Sendern schalten, so dass der Umsatz bei RTL im zweiten Quartal um zwei Prozent zurückging. Dennoch hob der Fernsehkonzern am Donnerstag seine Ergebnisprognose für das Gesamtjahr an: Statt stagnierender Gewinne erwartet RTL nun einen Zuwachs beim Betriebsergebnis (Ebita) zwischen einem und 2,5 Prozent. Der Umsatz soll weiter zwischen 2,5 und fünf Prozent steigen. Das Management hält dabei weiter Ausschau nach lohnenden Zukäufen: „Wir können uns noch signifikante M&A-Aktivitäten in diesem Jahr leisten“, sagte Finanzchef Elmar Heggen.

Die höhere Prognose überzeugte Anleger ebensowenig wie eine Zwischendividende von einem Euro, die RTL im September ausschütten will. Die Aktien gehörten mit einem Abschlag von gut zwei Prozent zu den größten Verlierern im Nebenwerte-Index MDax. Umsatz und Ebita im zweiten Quartal hätten die Erwartungen nicht erfüllt, schrieb DZ-Bank-Analyst Harald Heider. Trotz einer soliden Entwicklung der wichtigsten Märkte gehe es bei RTL nur langsam vorwärts.

Nur in Frankreich übertrug RTL über seinen Sender M6 die Europameisterschaft live. In den anderen Märkten - der Konzern unterhält Sender auch in den Niederlanden, Belgien, Kroatien, Ungarn oder Spanien - überließ die Bertelsmann -Tochter das Feld anderen. RTL und andere werbefinanzierte Sender wie der Konkurrent ProSiebenSat.1 geben sich im Kampf um lukrative Übertragungen von Sportereignissen wie den Olympischen Spielen traditionell geschlagen. Anders als Bezahlsender wie Sky gehen sie nicht davon aus, dass sich ein Wettbieten um teure Sport-Senderechte für sie lohnen würde.

In den Halbjahreszahlen schien noch das starke erste Quartal durch: Der Umsatz stieg um 3,2 Prozent auf knapp 2,9 Milliarden Euro. Das Ebita kletterte dank guter Geschäfte im Kernmarkt Deutschland und eines Einmaleffekts in Frankreich um 8,6 Prozent auf den Rekordwert von 580 Millionen Euro. Im zweiten Quartal wuchs der operative Gewinn noch um 3,2 Prozent auf 351 Millionen Euro.

Mit Ausnahme von Ungarn seien die Werbemärkte in allen Ländern der Senderkette gewachsen, beschrieb die Sendergruppe die Entwicklung der ersten sechs Monate. Der Umsatz im digitalen Geschäft wuchs um ein Fünftel. Insgesamt sei RTL hier schon profitabel, sagte Co-Vorstandschef Guillaume de Posch, der das Unternehmen zusammen mit Anke Schäferkordt führt. Zu dem Bereich gehört etwa das US-Mode-Netzwerk StyleHaule oder die Video-Werbeplattform Spotx.

In digitale Aktivitäten will RTL weiter investieren, genauso wie in Inhalte. Es gebe eine ganze Reihe möglicher Ziele für Zukäufe, sagte de. „Wir schauen uns regelmäßig Gelegenheiten an.“ Auf die Frage nach einem möglichen Interesse am britischen Sender ITV, dessen Aktienkurs nach dem Brexit-Votum in Großbritannien um 30 Prozent eingebrochen war, antwortete er ausweichend: „Wir fokussieren uns sehr auf die Umsetzung unserer M&A-Strategie, in Inhalte und digitale Geschäfte zu investieren. Da haben wir viel zu tun.“

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