RTL Group
Schön reden nützt wenig

Saudade, saudade – Europas größter Fernsehkonzern singt den Fado. Die RTL Group stimmt derzeit den Nationalgesang der Portugiesen an, der meist von der Sehnsucht nach besseren Zeiten handelt. Der wichtigste Geldbringer des Medienkonzerns Bertelsmann ist mit seinen ehrgeizigen Plänen in Portugal gescheitert und zieht sich enttäuscht zurück.

DÜSSELDORF. Die Luxemburger Fernsehholding verkauft ihren 33-prozentigen Anteil an der Mediengruppe Media Capital. Im Duell mit dem spanischen Medienhaus Prisa (El Pais, La Razon) hat RTL-Chef Gerhard Zeiler den kürzeren gezogen. An einer gleichberechtigten Führung der portugiesischen Gruppe waren die Spanier nicht interessiert.

Vor gar nicht langer Zeit hatte der Österreicher Zeiler noch von den Möglichkeiten auf der iberischen Halbinsel sowie in Mittel- und Osteuropa geschwärmt. Doch aus seinen ehrgeizigen Plänen ist nichts geworden. Südlich der Pyrenäen spielen die Bertelsmänner im Fernsehgeschäft weiterhin keine große Rolle. Sie halten nur eine Minderheit am spanischen Fernsehsender Antena 3 – mehr nicht.

Zuletzt holte sich Zeiler auch noch eine Niederlage in Polen. Dort gelang Springer-Chef Mathias Döpfner für viel Geld der Einstieg in die Fernsehgruppe Polsat. Auch wenn Zeiler gerne Springers Erfolg herunter redet und darauf verweist, dass die Berliner in Warschau kaum Mitspracherechte haben, ist klar: Im schnell wachsenden und wichtigsten Markt in Osteuropa ist Branchenprimus RTL nicht dabei.

Und in Großbritannien: Nach der teuren Komplettübernahme von Five leidet der Londoner Kanal unter schwachen Quoten. Im größten Fernsehmarkt Europas spielt die RTL Group mit diesem kleinen Sender weiterhin eher eine Nebenrolle. Ein größerer, strategisch sinnvoller Zukauf wie der des Privatsenders ITV erscheint heute unwahrscheinlich. Eine solche Aquisition würde die Konzernmutter in Gütersloh finanziell zu stark fordern. Bertelsmann leidet nach dem Rückkauf der Anteile des belgischen Milliardärs Albert Frère unter einer Rekordverschuldung und fährt einen Sparkurs.

Die jahrelange Offensive der RTL Group ist ins Stocken geraten. Zeiler braucht nun dringend Erfolge. Nicht zuletzt aus diesem Grund hat er seinen alten Weggefährten Hans Mahr als Berater zur Gruppe zurück geholt. Mahr gilt als ausgewiesener Kenner Mittel- und Osteuropas und zudem als geschickter Verhandler. Vielleicht kann der Wiener seinem Landsmann aus der Patsche helfen.

Zeiler hat ein Talent, sich die eigene Welt schön zu reden. Nach dem Rückzug aus Portugal verweist er auf den Buchgewinn von über 40 Millionen Euro. Bei der Niederlage in Polen warnte der Vorstandschef vor der Überhitzung der Preise im Osten. Doch das Verdrängen strategischer Niederlagen ist auf Dauer keine Lösung. Denn die Konkurrenz schläft nicht. Im Gegenteil: Mit der Fusion von Pro Sieben Sat 1 mit der niederländischen Sendergruppe SBS, die vor allem in Benelux, Skandinavien und Osteuropa stark ist, entsteht nun ein mächtiger Rivale der RTL Group. Die Finanzinvestoren KKR und Permira werden sich sicherlich nicht scheuen, zusätzliche Investments zu tätigen, um die neue Nummer zwei in Europa voranzubringen.

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