Rückblick 2004
IT und Telekom: Die Billionäre kommen

Bei nur moderatem Umsatzwachstum hat die IT- und Telekomindustrie den Profit durch Kostensenkungen gesteigert.

HB FRANKFURT. Weltweit werden Unternehmen und private Haushalte in diesem Jahr die nur noch mit Mühe vorstellbare Summe von 2,4 Billionen Dollar für Computer, Software, Telekommunikation und Internet (ITK) ausgeben. Inzwischen macht die Branche mehr als doppelt so viel Umsatz wie die Automobilindustrie. Allein in der Telekommunikation werden die Umsätze in diesem Jahr auf 1,3 Billionen Dollar steigen, das jedenfalls schätzen die Marktforscher der Gartner Group.

Und von diesen Umsätzen wird 2004 im Vergleich zu den Vorjahren ein steigender Teil bei den Unternehmen als Gewinne hängen bleiben. Denn trotz eines weiter schwierigen Marktumfelds haben viele High- Tech-Firmen, darunter nicht nur die traditionell margenstarken Softwarefirmen, sondern auch viele Hardwarespezialisten und Telekoms, glänzend verdient.

So hat der Chipproduzent Intel bereits vor dem Anbruch des umsatzstärksten vierten Quartals einen Nettogewinn von 5,3 Milliarden Dollar eingefahren. Im gesamten Jahr 2003 waren es 5,6 Milliarden Dollar. Der Softwareriese Microsoft brachte es von Januar bis Ende September auf Nettogewinne von 7,6 Milliarden Dollar. Der Computerbauer Dell wird sein Nettoergebnis im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent steigern, beim Softwareriesen Oracle werden es 25 Prozent sein. Und selbst der schon oft angezählte Computerhersteller Apple hat mit dem kultigen MP3-Spieler iPod den Gewinn glatt vervierfacht. Einen Konzernüberschuss von 3,2 Milliarden Euro lieferte nach den ersten neun Monaten die Deutsche Telekom ab. Für den größten europäischen Telekommunikationskonzern die Grundlage dafür, erstmals seit mehreren Jahren seinen Aktionären wieder eine Dividende zu zahlen.

Gestraffte Prozesse

Die guten Ergebnisse vieler High-Tech-Konzerne sind kein Zufall. Denn die Unternehmen sind nach der tiefen Krise inzwischen schlanker und ertragsstärker als je zuvor. Mitarbeiter wurden entlassen, Prozesse gestrafft und Funktionen in Billiglohnländer verlagert. In den USA beschäftigte der weiterhin anhaltende Export von Jobs in der IT-Branche nach Indien und China 2004 sogar die Politik.

Trotzdem kamen die Aktienkurse vieler Technologieriesen nicht recht vom Fleck. So hat sich der Aktienkurs des weltgrößten Computerkonzerns IBM trotz Wachstum auf Jahressicht kaum verändert. Abwärts ging es auf Jahressicht für Technologieaktien wie die des Netzausrüsters Cisco und die Intel-Papiere, die zwischen 20 und 30 Prozent an Wert verloren. Und auch für das Microsoft-Papier endet das Jahr vermutlich knapp zehn Prozent unter dem Preis vom Januar. Auf eine glatte Seitwärtsbewegung wird es wohl bei den Papieren des deutschen Softwarehauses SAP hinauslaufen, die sowohl zum Jahresanfang als auch zum Jahresschluss bei rund 130 Euro notieren.

Ein Grund für die schwache Entwicklung vieler Technologieaktien sind zum einen die bereits im Vorjahr stark gekletterten Kurse. Doch steigt auch die Skepsis über die weitere Entwicklung in der Branche. Denn die Ersatzinvestitionen der Unternehmen sind 2004 weitgehend abgeschlossen worden, und auch die Wachstumsbereiche Mobilfunk und Internet verlieren allmählich an Dynamik.

Investitionen mit angezogener Handbremse

Und ob Zufall oder nicht: 2004 unterfüttern die Statistiken, was Marktforscher der IT- und Telekommunikationsindustrie seit langem vorhergesagt haben: ein Wachstum, das sich an die Entwicklung des gesamtwirtschaftlichen Sozialprodukts angleichen wird. 3,9 Prozent mehr Umsatz werden es nach Gartner-Prognosen 2004 sein. Und exakt 3,9 Prozent Wachstum haben auch die führenden deutschen Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem Herbstgutachten für das Wachstum des Weltsozialprodukts errechnet.

In vielen Industrienationen – darunter auch Deutschland – investieren viele Unternehmen noch immer mit leicht angezogener Handbremse. „Der IT-Markt in Deutschland zeigte auch im Jahr 2004 ein gemischtes Bild. Im Bereich der Unternehmens-IT waren erste Anzeichen einer stärkeren Investitionsbereitschaft spürbar“, sagt Hewlett-Packard-Deutschland-Chef Uli Holdenried. Der Branchenverband Bitkom schätzt den Umsatz der deutschen ITK-Branche auf 131 Milliarden Euro – ein Wachstum von 2,5 Prozent.

Doch spielen auch strukturelle Veränderungen der Märkte eine Rolle. So legen die Absatzmärkte in China, Indien und Osteuropa zwar stürmisch zu. Und besonders das ehrgeizige China hat sich zum Ziel gesetzt, innerhalb weniger Jahre zum größten ITK-Markt der Welt aufzusteigen. Doch gelingt das bislang nur bei den absoluten Zahlen der Mobilfunkkunden. So ist der Mobilfunkanbieter China Mobile mit mehr als 170 Millionen Kunden der größte Mobilfunkanbieter der Welt, vor der britischen Vodafone-Gruppe mit 150 Millionen Kunden.

Doch in Umsatzkategorien tragen die USA und Europa noch immer den größten Teil des Geschäfts. Alleine der US-Markt steht für 43 Prozent der weltweiten IT- und Telekommunikationsausgaben. Westeuropa folgt mit 25 Prozent, und Japan steht für elf Prozent der globalen Umsätze. Dagegen bringen es die Wachstumsmärkte in Osteuropa auf einen Marktanteil von drei Prozent, Asien mit China auf zehn Prozent. Doch werden die westlichen Industrienationen mehr und mehr zu „reifen“ Märkten, in denen die Marktdurchdringung hoch ist, die Wachstumsraten aber niedrig sind.

Lesen Sie Rückblicke zu den wichtigen Branchen in der großen Jahreschronik 2004: >>> weiter...

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