Rückdatierte Aktienoptionen
Apple-Affäre belastet IT-Branche

Die ausgeweitete Affäre um falsch verbuchte Kosten für Aktienoptionen beim US-Computerkonzern Apple erhöht den Konsolidierungsdruck auf die amerikanische IT-Industrie. An der Wall Street wird zudem wild darüber spekuliert, ob der charismatische Apple-Chef Steve Jobs in den Skandal verstrickt ist.

HB SAN FRANCISCO. Apple hatte am Freitag mitgeteilt, dass interne Untersuchungen Hinweise auf weitere unkorrekte Posten ergeben hätten und alle Finanzberichte ab September 2002 überarbeitet werden müssten. Der bislang prominenteste Fall im Optionsskandal dürfte die Aktienkurse der US-IT-Firmen weiter belasten.

So haben einige Analysten wie die Experten der Citigroup bereits die Risikoeinschätzung etwa für die Halbleiterindustrie erhöht. Die Folgen können schwer wiegend sein. Bei den beiden IT-Firmen Mercury Interactive und M-Systems haben falsch verbuchte Aktienoptionen mit dazu beigetragen, dass sie zu Übernahmekandidaten wurden. Mercury wurde kürzlich von Hewlett-Packard geschluckt, M-Systems wird beim Chip-Hersteller Sandisk landen.

Analysten bezweifeln allerdings, dass Apple ein ähnliches Schicksal droht. "Niemals zuvor in der PC-Geschichte war eine Firma besser aufgestellt, als Apple es zurzeit ist, sowohl beim Gewinn von Marktanteilen als auch bei der Steigerung der Profitabilität", meinte Jonathan Hoopes, Analyst des US-Instituts Think-Equity.

Apple hatte gewarnt, dass die seit September 2002 veröffentlichten Geschäftszahlen "nicht mehr verlässlich" seien und möglicherweise korrigiert werden müssten. Der Aktienkurs sackte daraufhin um fast fünf Prozent ab.

Die Aufsichtsbehörden in den USA haben bereits gegen mehr als 80 Firmen Untersuchungen eingeleitet, gegen zwei Manager wird strafrechtlich ermittelt. Der Vorwurf lautet in allen Fällen, dass die Unternehmen die Aktienoptionen rückdatiert haben. Optionen geben die Berechtigung, eine Aktie zu einem bestimmten Preis zu kaufen. Je höher der Börsenkurs über diesen Preis steigt, umso wertvoller werden die Optionen. Nach den jetzt erhobenen Vorwürfen der US-Behörden setzten zahlreiche Firmen bei Optionszuwendungen an ihre Manager den Ausübungspreis rückwirkend auf einen Niedrigkurs fest und garantierten ihnen damit hohe Gewinne.

Obwohl die damals großzügigen Meldevorschriften den Unternehmen viel Spielraum ließen, war diese Praxis dann illegal, wenn sie einzelne Personen begünstigte und darüber keine oder falsche Informationen veröffentlicht wurden. Seit der Verabschiedung des Sarbanes-Oxley-Gesetzes vor vier Jahren ist dieses Verfahren jedoch generell nicht mehr zulässig. Die US-Börsenaufsicht Securities and Exchange Commission (SEC) hat die Regeln gerade noch einmal verschärft und fordert, dass der Zeitwert der Optionen ausgewiesen und der Zeitpunkt ihrer Ausgabe erklärt wird.

Der Fall Apple verunsichert die Anleger. Das Unternehmen ließ die Frage offen, wie hoch die Revisionen ausfallen könnten, nachdem es noch vor zwei Wochen gemeldet hatte, es seien "keine wesentlichen Korrekturen" zu erwarten. Apples traditioneller Geiz bei der Veröffentlichung von Unternehmensdaten verstärkt nunmehr die Unsicherheit darüber, was hinter den "zusätzlichen Anzeichen von Unregelmäßigkeiten" stecken könnte.

An der Wall Street konzentrierten sich die Spekulationen darauf, ob Apple-Chef Steve Jobs direkt von dem Skandal betroffen sein könnte. "Jobs ist der Innovationsmotor der Firma", sagte ein Analyst. "Er ist für Apple praktisch unersetzlich." Firmengründer Jobs kam 1997 zurück zu Apple, zuerst als Interims-Chef mit einem Jahressalär von einem Dollar. Als er im Januar 2000 wieder offiziell Chief Executive Officer wurde, gab ihm Apple einen Gulfstream-Jet und Optionen über zehn Millionen Aktien mit einem Ausübungspreis, der deutlich unter dem damaligen Tageskurs lag.

2003 strich Apple die Optionen und ersetzte sie durch fünf Mill. Stammaktien mit dreijähriger Verkaufssperre. Gleichwohl klagten Aktionäre in Kalifornien, die behaupteten, Jobs habe von den Optionen illegal profitiert. Während die ursprüngliche Bekanntgabe von Problemen mit Optionen kaum Wellen schlug, löste Apples jüngste Erklärung, dass auch die Zeit nach 2002 betroffen ist, Nervosität aus. Denn seit Oktober 2002 sind nach Sarbanes-Oxley Firmen- und Finanzchefs für die Richtigkeit veröffentlichter Ergebnisse persönlich haftbar.

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