Rückkehr zu Sat 1
Harald Schmidts „Ciao ARD!“

Harald Schmidt kehrt zurück zum Privatsender Sat 1. Der Abschied von der ARD fällt ihm nicht schwer. Im ersten stand er vor einer Degradierung. Die wollte er nicht hinnehmen - und hat reagiert.
  • 1

DÜSSELDORF. Bei Sat 1 hat sich Harald Schmidt bis 2003 pudelwohl gefühlt. Dort genoss er Narrenfreiheit. Selbst der damalige Großaktionär Leo Kirch wurde von der Häme des Entertainers nicht verschont. Unvergessen ist Schmidt bitterböser Auftritt für den finanziell taumelnden Medienunternehmer vor mächtigen Werbekunden in Köln. Dort betrat das Lästermaul die Bühne in wasserfestem Overall und Gummistiefeln, schließlich stand dem Mutterkonzern wegen der Überschuldung das Wasser bereits bis zum Hals.

Nach siebenjähriger Pause kehrt der Schwabe wieder zurück nach Unterföhring. Wie der Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 und Schmidts Manager Fred Kogel bekannt gaben, wird der Talkmaster ab September 2011 zweimal wöchentlich mit seiner Late-Night-Show bei Sat 1 auf Sendung gehen. Die neue Sendung wird um 23.15 Uhr ausgestrahlt. An welchen Wochentagen die Show zu sehen sein wird, ist noch unklar. "Endlich, der Meister kehrt zurück", jubelte Fernsehvorstand und Sat-1-Chef Andreas Bartl am Montag.

Harald Schmidt war bei dem damals noch in Berlin ansässigen Sender schon zwischen 1995 und 2003 aktiv. 2005 ging er bei der finanzstarken ARD vor Anker.

Für Sat 1 ist die Rückkehr des Entertainers ein wichtiger Meilenstein, um an glanzvollere Zeiten anzuknüpfen. Eine Quote von nur 10,8 Prozent im vergangenen Jahr war ein Armutszeugnis. Zum Vergleich: vor fünf Jahren lag man noch bei 12,3 Prozent. Bislang läuft der Sender dem Konkurrenten RTL hinterher. Sowohl der ehemalige ZDF-Moderator Johannes B. Kerner als auch der Comedian Oliver Pocher, die Bartl im vergangenen Jahr unter Vertrag genommen hatte, konnten Sat 1 nicht aus der Defensive holen.

Nun holt sich Sat 1 die Geheimwaffe Harald Schmidt. Tatsächlich begründete der 53-Jährige seinen legendären Ruf einst bei dem Privatsender.

Der Abschied von der ARD fällt Schmidt, dessen Late-Night-Show im Ersten am nächsten Donnerstag ins letzte Jahr geht, offenbar leicht. Die ARD hatte den Entertainer zuletzt nicht gerade gut behandelt. Die ARD-Granden wollten den Unterhalter mit dem "Satire"-Gipfel abspeisen, einem Format bei dem er mit anderen Künstlern auftreten sollte. Eine solche Degradierung wollte Schmidt aber nicht hinnehmen. Für eine eigene Show war wegen der Programmreform ab Mitte 2011 kein Platz mehr.

Bei Sat 1 wird Harald Schmidt mit offenen Armen empfangen. Fernsehvorstand Bartl gilt als Freund und Fan von "Dirty Harry". Über Details des Vertrags zwischen dem Sender und der Kogel & Schmidt GmbH wurde zunächst nichts bekannt. Doch Insider gehen davon aus, dass der in finanziellen Dingen clevere Manager Fred Kogel exzellente Bedingungen ausgehandelt hat. "Das Format ist bekannt und das gegenseitige Vertrauen ist groß - das hat auch die zügige Einigung bewiesen", sagte der frühere Constantin-Film-Chef.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa

Kommentare zu " Rückkehr zu Sat 1: Harald Schmidts „Ciao ARD!“"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Harald Schmidt war zu gut für ARD.

    ich freue mich besonders den erstklasigen Comediant in seiner Element ohne Maulkorb zu Moderieren.

    Guten Neu Start bei Sat ich Drück dich - nein Sat ohne Druck lustig. ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%