Rückschlag
Analysten sehen T-Mobile in der Klemme

Der Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile USA könnte scheitern. Im Dezember hatte die Telekom einen Verkauf ausgeschlossen, dann kamen etliche Optionen ins Spiel. Analysten sehen jede Menge Herausforderungen für T-Mobile.
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FrankfurtEs ist ein herber Rückschlag. Der 39 Milliarden Dollar schwere Verkauf der Telekom-Tochter T-Mobile USA an AT&T könnte am Einspruch der US-Regierung scheitern. Sollte der Deal wirklich kippen, steht die Telekom nach Ansicht von Branchenexperten in den USA wieder vor den gleichen Schwierigkeiten wie in den vergangenen Jahren - nun allerdings in einer wesentlich schlechteren Position. „Die Misere in den USA geht weiter“, sagt DZ-Bank-Analyst Joeri Sels.

Das größte Problem neben dem massiven Kunden-Exodus: Wie rüstet T-Mobile USA das landesweite Netz für den neuen Mobilfunkstandard LTE auf?, fragt Jeffries-Analyst Ulrich Rathe. Allein werde das sehr teuer, weshalb der Mobilfunker einen Partner brauche. Wenn AT&T wegfalle, müsse „die Telekom stattdessen wieder einen Deal mit dem Konkurrenten Sprint-Nextel prüfen.“ Jedoch sei T-Mobile USA mittlerweile weniger Wert als vor sechs Monaten. Zudem wären die Einsparmöglichkeiten mit Sprint lange nicht so groß wie bei der Fusion mit AT&T.

Ein anderer möglicher Partner wäre das Mobilfunk-Startup Lightsquared, schätzt Morten Singleton von Investec. Das Problem: All diese Optionen hatte die Telekom im März als untauglich bezeichnet, um den Verkauf des US-Geschäfts an AT&T zu rechtfertigen. Mit dem Deal vollzog die Telekom eine 180-Grad-Wende. Noch im Dezember hatten Telekom-Vorstände beteuert, T-Mobile USA aus eigener Kraft wieder flottmachen zu wollen.

Der US-Markt ist für die Telekom ungemein wichtig - dort wird ein Viertel des Gesamtumsatzes erzielt. Konzernchef Rene Obermann und sein US-Chef Philipp Humm hatten im Januar noch extra Journalisten und Analysten versammelt und ihnen ihre neue Strategie für die USA vorgestellt: Kostensenkungen und vielleicht sogar Allianzen mit anderen Netzbetreibern sollten die Wende bringen. Zudem stand ein milliardenteurer Netzausbau an, der die Telekom-Aktionäre auf die Barrikade trieb.

Großaktionär DWS, eine Fondstochter der Deutschen Bank, hatte die Ausbaupläne vor einem Jahr als zu riskant und teuer kritisiert. Ignorieren darf die Telekom den Netzausbau nicht. Das Image leidet bis dato darunter, dass T-Mobile USA sein Netz zu spät auf schnelle Datenübertragungen aufgerüstet hatte.

Nach Jahren des stürmischen Wachstums tritt der Markt-Vierte T-Mobile schon seit längerem auf der Stelle, während Platzhirsche wie AT&T oder Verizon Wireless mit exklusiven Handys wie dem iPhone von Apple und kleinere Anbieter mit Discount-Preisen neue Kunden gewannen. Zuletzt beschleunigte sich das Abwärtstempo noch: Im abgelaufenen Quartal brach der Gewinn um ein Fünftel ein - neben Kundenverlusten machte der Telekom die Dollarschwäche zu schaffen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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