Rücktritt wegen Schmiergeldaffäre
Siemens-Vorstand Reinhardt stürzt

Die Schmiergeldaffäre bei Siemens erschüttert jetzt auch die neu gebildete Führungsriege des Technologiekonzerns. Am Mittwoch ist mit Erich Reinhardt erstmals ein aktiver Vorstand über den Skandal gestürzt. Der Medizintechnik-Chef zog mit dem Rücktritt die Konsequenzen aus Korruptionsvorfällen in seiner Sparte. Nun rückt ein Amerikaner in den Vorstand.

MÜNCHEN. Hinweise auf eine persönliche Verstrickung des 61-jährigen in die Affäre liegen bisher nicht vor. "Es gibt keinerlei Zweifel an der persönlichen Integrität Professor Reinhardts", sagte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen hatten Untersuchungen ergeben, dass es sich bei Schmiergeldzahlungen in der Medizintechnik nicht um Einzelfälle gehandelt haben soll. Daraufhin habe sich Reinhardt zum Rücktritt entschlossen.

In der kommenden Woche geben die Anwälte von Debevoise & Plimpton dem Siemens-Aufsichtsrat einen Zwischenbericht über den Stand der internen Ermittlungen. Mit Spannung wird nun erwartet, ob im Zuge eines Amnestieprogramms Mitarbeiter auch aktive Führungskräfte belastet haben. Vorstandschef Peter Löscher hatte die Konzernstruktur sowie den Vorstand wegen der Affäre umgebaut; Reinhardt war eine der tragenden Säulen der neuen Führungsspitze. Im Konzern gilt es nicht als ausgeschlossen, dass weitere Manager über die Affäre stolpern könnten. Anfang 2008 hatte Siemens die Entlastung von zahlreichen Vorständen und Aufsichtsräten auf der Hauptversammlung verschoben. Zur Begründung hieß es, das Amnestieprogramm habe "sehr substanzielle Hinweise" auf die mögliche Verstrickung von ehemaligen oder aktiven Vorständen ergeben.

Die Affäre ist der größte Schmiergeldskandal in der deutschen Wirtschaftsgeschichte. Rund 1,3 Mrd. Euro sind in dunklen Kassen verschwunden und wohl größtenteils im Ausland als Schmiergeld eingesetzt worden. Zu den Beschuldigten gehören der frühere Finanzvorstand Heinz Neubürger-Joachim und Ex-Vorstand Thomas Ganswindt, der für die Telekommunikationssparte Com zuständig war. Ins Visier der Staatsanwaltschaft ist auch der langjährige Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer geraten. Noch gilt er aber nicht als Beschuldigter.

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