Rundfunk
ARD bringt Privatsender gegen sich auf

Die umstrittene Online-Videothek von ARD und ZDF wird nicht auf Werbung verzichten. Nach Meinungen der WDR-Justiziarin Michel würden die neuen Einnahmen auch dazu beitragen, die Rundfunkgebühr gering zu halten.
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DüsseldorfDie umstrittene Online-Videothek von ARD und ZDF wird nicht auf Reklame verzichten. Werbung sei "nicht ausgeschlossen", sagte Eva-Maria Michel, Vize-Intendantin des WDR, dem Handelsblatt. Der Gesetzgeber habe festgehalten, dass den Töchtern der Rundfunkanstalten bei der kommerziellen Verwertung ihrer Spielfilme, Serien und Dokumentationen alle Einnahmequellen offen stünden. Der WDR plant federführend für die ARD zusammen mit dem ZDF die Video-on-Demand-Plattform, die im nächsten Jahr an den Start gehen soll.

Eine Werbefinanzierung der künftigen Online-Videothek von ARD und ZDF ist hingegen für die private Konkurrenz ein Tabubruch. RTL, Deutschlands größter Privatsender, hat bereits indirekt rechtliche Schritte angekündigt. "Gegen die teilweise Finanzierung dieses Online-Angebots durch Werbung hätten wir deutliche rechtliche und politische Bedenken, die wir ebenso deutlich zum Ausdruck bringen würden", sagte Tobias Schmid, RTL-Bereichsleiter Medienpolitik. Schmid ist ein enger Vertrauter von RTL-Deutschlandchefin Anke Schäferkordt.

ARD und ZDF wollen ihre Fernsehproduktionen künftig in einer Online-Videothek zur Verfügung stellen. Dort könnten Nutzer sie jederzeit herunterladen. Bislang bieten die beiden Sender nur eine werbefreie Mediathek an, in der sie Filme und Nachrichten eine Woche lang nach Ausstrahlung zum Abruf anbieten dürfen. Das wird sich mit der Video-on-Demand-Plattform unter dem Titel "Germany's Gold" ändern: Über private Töchter dürfen die Öffentlich-Rechtlichen ihr Archiv auch zeitlich unbeschränkt vermarkten.

"Wir als Rundfunkanstalten möchten vor allem, dass auch nach Ablauf der gesetzlichen Verweildauern für die Mediatheken von ARD und ZDF unsere Zuschauer noch auf unsere Inhalte zugreifen können", sagte Michel. Die Anstalten versprechen sich von der Vermarktung attraktiver Serien wie beispielsweise "Tatort", "Donna Leon" oder "Klinik unter Palmen" vor allem lukrative Einnahmen. Nach Meinungen der WDR-Justiziarin Michel würden die neuen Einnahmen auch dazu beitragen, die Rundfunkgebühr gering zu halten.

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Das Kartellamt ist alarmiert

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  • Öffentliche Rundfunkanstalten meiner Ansicht nach üble Moloche

    Die Frechheit der öffentlichen Rundfunkanstalten kennt keine Grenzen, nach Artikel 5 des Grundgesetzes ist es unser Recht, uns aus allgemein zugänglichen Quellen frei informieren zu können.

    Trotzdem hat der öffentliche Rundfunk einer regelrechte Abzock-Maschine installiert. Egal, ob wir private TV-Sender benützen oder z.B. das Internet, die Rundfunkanstalten kassieren uns ab, wir können uns nicht frei informieren.

    Meine Ausbeuter:
    - Die großen christlichen Kirchen
    - Die Schornsteinfeger
    - Die öffentlichen Rundfunkanstalten
    - ...

    Joachim Datko - Physiker, Philosoph
    Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
    http://www.monopole.de

  • Wo ist eigentlich die News bei den Artikeln über die geplante Online-Videothek von ARD und ZDF? Dass die auch über Werbung finanziert werden soll? Stand schon vor Wochen in der Fachpresse. Und warum werden so unwesentlich Details weggelassen, dass auch zahlreiche Filmproduktionsfirmen beteiligt sind? Ach ja: Die Kartellamtsfrist endet. Da kann ein bisschen Kampagne nicht schaden. Denn es ist ja so ungerecht, dass die öffentlich-rechtlichen keine Finanzierungssorgen haben und den Zeitungen das Wasser bis zum Hals steht. Warte schon gespannt, was im nächsten Bericht über Germany's Gold steht.

  • Wie wärs mit Werbung im Reichstag, um die Steuern niedrig zu halten?
    Vorschlagtext zur Güte "Diese Erklärung wird präsentiert von ....: wir wünschen gute Unterhaltung",
    die Rednerpausen könnte man auf 20 sekunden strecken...

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