Rundfunkgebühren
ARD klammert sich an die „Sportschau“

In der ARD schwelt schon seit längerem ein Streit darüber, ob die Rundfunkgebühr noch ein Zukunftsmodell ist. Während die Bundesländer ab 2012 statt der Geräte- eine Haushaltsgebühr erheben wollen, fordert die WDR -Intendantin Monika Piel schrittweise den Ausstieg aus der Finanzierung mittels Sponsoring.

BERLIN. In der ARD gibt es ein samstägliches Kulturgut der Sonderklasse, die ARD-"Sportschau". Auf die Zusammenfassung der Fußball-Bundesligaspiele des Tages zu verzichten, käme für den Sender einem Selbstmordkommando gleich. Denn wenn die "Sportschau" im Ersten verschwindet, droht die Rundfunkgebühr zu wackeln. Die Intendanten werden deshalb bei der bevorstehenden Neuvergabe der Fußballsenderechte tief, vielleicht sehr tief in die Tasche greifen, um die Gunst der Gebührenzahler und damit der Politiker nicht zu verlieren.

Wenn das Wort Rundfunkgebühren fällt, spannen sich die Gesichtsmuskeln von Fritz Raff. Der lebensfrohe ARD-Vorsitzende und Intendant des Saarländischen Rundfunks weiß, dass die bevorstehende Reform der bisherigen GEZ-Gebühr für die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Rundfunks von entscheidender Bedeutung ist. Denn die derzeitige Rundfunkfinanzierung steht auf tönernen Füßen: Die Bundesländer streben ab 2012 eine Neuordnung an. Statt der bisherigen Gerätegebühr könnte dann eine Abgabe pro Haushalt kommen. Damit würde auch die unbeliebte Gebühreneinzugszentrale (GEZ) überflüssig.

Hinter den Kulissen wird bereits eifrig um eine Lösung gerungen. Die ARD sorgt sich um die abnehmende Akzeptanz ihrer bislang opulenten Finanzierung. ARD und ZDF nehmen jährlich über sieben Mrd. Euro an Gebühren ein. Hinzu kommt nochmals fast eine halbe Mrd. Euro aus Werbung und Sponsoring.

In der ARD ist längst ein Streit ausgebrochen, ob die umstrittene GEZ-Gebühr wirklich noch ein Zukunftsmodell ist. Bisher muss jeder Bürger für den bloßen Besitz eines Fernsehers, Radios oder fernsehtauglichen Rechners die Gebühr zahlen.

Die geplante Erhöhung der GEZ-Gebühr ab 2009 wird den Konflikt noch verstärken. Erst kürzlich hatte die unabhängige Finanzkommission KEF eine Anhebung der Rundfunkgebühren um 95 Cent auf 17,98 Euro im Monat vorgeschlagen. Alle 16 Landesparlamente müssen diesem Vorschlag in den nächsten Monaten zustimmen, damit er in Kraft treten kann - das wird ein heißer Sommer für ARD und ZDF.

Soll die Haushaltsgebühr künftig die Gerätegebühr ersetzen? Der clevere ARD-Chef Raff ist skeptisch. "Das Ei des Kolumbus hat bisher noch niemand gefunden", sagte Raff kürzlich auf der Handelsblatt-Fernsehtagung in Berlin. Denn die Umstellung auf eine Haushaltsabgabe ist offenbar in der Praxis nicht ganz einfach. "Bei der Haushaltsgebühr gibt es ein Problem mit der Datenerhebung. Denn die Einwohnermeldeämter erfassen die Daten von Bürgern. Doch sie definieren nicht Haushalte. Wir müssen aufpassen, nicht in eine neue Schnüffeldiskussion zu kommen", warnt der frühere Gewerkschaftsfunktionär.

Seite 1:

ARD klammert sich an die „Sportschau“

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%