Russlands IT-Branche
Undurchsichtiger Milliardenmarkt

Die russische IT- und Telekommunikationsbranche wächst rasant. Doch nach wie vor scheuen die internationalen Telekom-Konzerne wie Vodafone oder Deutsche Telekom den Einstieg im größten Flächenland der Erde. Die Zurückhaltung hat handfeste Gründe.

MOSKAU. Zum einen lähmen Streitigkeiten über Eigentumsverhältnisse bei den großen Mobilfunkanbietern die Branche in Russland, doch auch bei der Privatisierung des staatlichen Telekomkonzerns Swjasinvest, der das Festnetzgeschäft kontrolliert, bewegt sich bisher nichts. An einen Einstieg über Beteiligungen ist in beiden Bereichen also nicht zu denken.

Hinzu kommen schwere Vorwürfe gegen den russischen Telekom-Minister Leonid Reiman. Laut Wall Street Journal hat die Regierung der britischen Jungferninseln dem US-Justizministerium mitgeteilt, es gebe „überwältigende Beweise“ dafür, dass Reiman über den in einem Steuerparadies angesiedelten Fonds „IPOC International Growth Fund Ltd.“ heimlicher Besitzer großer Anteile der Telekomindustrie seines Landes sei.

Die Ermittlungen richten sich vor allem gegen Jeffrey Galmond, der – so sehen es auch die dortigen Behörden – ein Geschäftspartner oder gar Strohmann Reimans sein soll. Galmond führt den Fonds IPOC, der unter dem Verdacht steht, „lediglich die Tarnung für die (Geld-)Wäsche krimineller Verdienste“ unter anderen von Reiman zu sein. Der Minister dementierte seine Beteiligung. Aber auch die von dem russischen Oligarchen Michail Fridman kontrollierte Alfa-Gruppe beschuldigte Reiman, hinter dem Fonds zu stehen.

Solche Hintergründe dürften auf ausländische Investoren nicht ermutigend wirken. Gleiches gilt für den Kampf des norwegischen Konzerns Telenor mit „Altimo“, dem Telekomarm von Alfa, um die Vorherrschaft beim großen Mobilfunkanbieter Vimpelcom.

„Die großen Telekom-Konzerne werden keinen unabhängigen Markteintritt versuchen“, erwartet Christopher Weafer, Chefstratege bei Russlands zweitgrößter Privatbank Uralsib. Zugangsmöglichkeiten seien entweder die Alfa-Gruppe, oder Megafon oder auch die Sistema-Holding, die den Mobilfunker MTS kontrolliert und vor allem mit ihrem Interesse an einem Einstieg bei der Deutschen Telekom in die Schlagzeilen geriet. Derzeit sei die Zeit dafür aber noch nicht reif, glaubt Weafer.

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