Saban stoppt Verkauf: Auszeit beim Poker um Pro Sieben Sat 1

Saban stoppt Verkauf
Auszeit beim Poker um Pro Sieben Sat 1

US-Milliardär Haim Saban behält Pro Sieben Sat 1 – zumindest vorerst. Doch hinter den Kulissen wird der umtriebige Investor wohl weiter nach einem Käufer für die Senderkette suchen. Eventuell heißt der ja Premiere.

HB MÜNCHEN. „Vielleicht ist es ganz gut, wenn sich die Lage erst einmal entspannt“, hieß es in Arbeitnehmerkreisen bei Pro Sieben Sat 1 nach der Ankündigung von Saban am Montag, vorerst nicht zu verkaufen. Branchenexperten sind sich aber einig, dass Saban nur auf Zeit spielt. Er könnte die nächsten Wochen und Monate dafür nutzen, die Pro Sieben Sat 1 weiter herauszuputzen – zum Beispiel durch eine Allianz mit dem angeschlagenen Bezahlsender Premiere. Ein Verkauf von Pro Sieben Sat 1 noch in diesem Jahr gilt somit weiterhin als wahrscheinlich.

Nach dem Scheitern der Übernahme von Pro Sieben Sat 1 durch den Springer-Verlag hatten mehrere ausländische Medienkonzerne und Finanzinvestoren ihr grundsätzliches Interesse bekundet. Ob allerdings einer von ihnen tatsächlich wie Springer den TV-Konzern mit mehr als 4 Mrd. Euro bewertet hätte, wird bezweifelt. „Der Verkauf an Springer wäre für Saban ideal gewesen“, sagt ein Branchenexperte. Allerdings stehe Saban nicht unter Zugzwang. Auch in Mitarbeiterkreisen ist man überzeugt, dass Saban eine elegante Lösung finden wird: „Der Mann weiß, was er macht.“

Bei Pro Sieben Sat 1 ist Saban beliebt. Konzern-Chef Guillaume de Posch ist ohnehin ein Mann Sabans. Doch auch die Beschäftigten können gut damit leben, wenn das Unternehmen noch im Besitz von Saban bleibt. Anderen Unternehmen, die von Finanzinvestoren übernommen wurden, sei es deutlich schlechter ergangen, heißt es. Zwar hätten Saban und de Posch der Senderkette einen Sparkurs verordnet, das Unternehmen aber nicht ausgequetscht wie eine Zitrone. So gelang es Pro Sieben Sat 1 im vergangenen Jahr bei Gewinn wie Marktanteilen gleichermaßen zuzulegen.

Dennoch könnte Saban daran interessiert sein, die Braut weiter aufzuhübschen. Immer wieder wird dabei über eine Übernahme der Premiere AG spekuliert. Schon Leo Kirch hatte die Free-TV- und die Pay-TV-Aktivitäten unter einem Dach zusammenfassen wollen. Zum Beispiel bei der Verwertung von TV-Rechten gäbe es eine Reihe von Synergien. Angeheizt wurden die Spekulationen zuletzt, weil sich der Börsenkurs von Premiere nach dem Verlust der Übertragungsrechte an der Bundesliga halbiert hat. Zudem ist die Kartell-Problematik etwas kleiner, seit sich neue Herausforderer etablieren.

Im Umfeld von Pro Sieben Sat 1 und Premiere wird denn auch auf den Sinn einer Ehe von Pro Sieben Sat.1 und Premiere hingewiesen. „Natürlich würde das zusammenpassen.“ Es gebe immer wieder Gespräche auf der Führungsebene; Premiere-Chef Georg Kofler hatte einst Pro Sieben an die Börse geführt. Kofler und Saban seien sicher die richtigen, um kreative Modell zu entwickeln, meint einer bei Pro Sieben Sat 1: „Wenn Kofler mal ein bischen mit Saban telefoniert, dann wird den beiden schon etwas schönes einfallen.

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