Samsung
Der verhängnisvolle Abgang von „Mr. Chip“

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Das Smartphone-Geschäft blüht wieder auf

Außerdem überdeckt Samsungs Rekordjagd den möglichen Trennungsschmerz. Denn obwohl der Ruf und das Selbstverständnis vom Korruptionsskandal gebeutelt werden, steigen Umsatz und Gewinn. Fürs dritte Quartal kündigte Samsung an, dass der Konzern wegen der hohen Nachfrage nach Speicherchips für mobile Geräte sowie des Starts des neuen Smartphones Galaxy Note 8 mit 46,4 Milliarden Euro 30 Prozent mehr Umsatz gemacht hat als vor einem Jahr. 

Der Betriebsgewinn derweil verdreifachte sich fast auf 10,8 Milliarden Euro. Und die treibende Kraft war Kwons Halbleitersparte. Zwar gab das Unternehmen wie gewöhnlich bei seiner ersten Bilanzschätzung keine Details über die Sparten bekannt. Aber Analysten sehen als Grund, dass bei Speicherchips die Nachfrage derzeit so hoch ist, dass die nicht nur der Absatz, sondern auch die Preise steigen. Und am meisten profitiert der Marktführer von diesem Trend: Samsung Electronics. Die Gewinnspanne von Kwons Reich liegt derzeit bei etwa 50 Prozent. 

Auch für die Zukunft ist vielen Analysten trotz Lees Abwesenheit nicht bang. Denn viele glauben, dass Samsung noch auf Jahre von einem Superzyklus in seinen wichtigsten Geschäftsfeldern profitieren wird. Denn nicht nur steigt mit immer mehr vernetzten Geräten das Absatzpotenzial für Speicherchips. Gleichzeitig ist Samsung derzeit Quasi-Monopolist bei den Handydisplays der neuen Generation, festen und flexiblen Bildschirmen aus organischen Leuchtdioden. 

Darüber hinaus blüht auch das Geschäft mit mobilen Geräten nach einem herben Schock im Herbst 2016 wieder auf. Damals musste Samsung sein Flaggschiffhandy Note 7 kurz nach dem Start wieder vom Markt nehmen, weil Akkus überhitzten oder gar explodierten. Doch der Akku-Skandal scheint vergessen. Auch mit anderen Produkten wie Fernsehern macht das Unternehmen Gewinne.

Doch Kwon sieht in der Stärke Zeichen der Schwäche. Die Ergebnisse würden auf vergangenen Investitionen beruhen, mahnte er. „Aber wir stehen unter Druck, künftige Trends zu lesen und neue Wachstumsmotoren zu finden.“ Dann drückte er die Hoffnung aus, dass ein Führungswechsel eine Chance für den Konzern wird, die nächsten Schritte zu machen. 

Wer allerdings seine Nachfolge antreten wird, steht noch nicht fest. Aus dem Unternehmen heißt es, dass Kwon dem inhaftierten Patriarchen Lee demnächst einen Ersatz vorschlagen wolle. Etwas Zeit bleibt für die Kür ohnehin. Traditionell wird bei Samsung im Dezember bekanntgeben, wer im jährlichen Personalkarussell welche Posten erhält. Bei Samsung hat das Schaulaufen sicher schon begonnen.

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Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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