Samsung-Erbe verhaftet
Ein Weltkonzern wird aus dem Knast geführt

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Warum die Aktionäre weiter an Samsung glauben

Die oppositionelle Demokratische Partei applaudierte dem Mut der Richter. Die Firmengruppen, die für Gegenleistungen Geld an die Präsidentin und ihre Unterstützer gezahlt hätten, müssten hart bestraft werden, sagte der Abgeordnete Youn Kwan-suk laut der Nachrichtenagentur Yonhap. „Wir erwarten, dass Park nach dem heutigen Urteil ebenfalls der Bestechung angeklagt werden könnte.“

Samsung schaltete derweil in den Krisenmodus. „Wir werden alles dafür tun, dass das Gerichtsverfahren die Wahrheit enthüllt“, teilte Samsung am Freitag mit. Doch der Finanzmarkt will nichts von einer Krise wissen.
Zwar warnen einige Beobachter, dass mit der Verhaftung des jungen Patriarchen ein weiterer Umbau von Samsung und weitere Investitionen auf Eis gelegt werden könnten. Denn große Projekte erfordern generell die Zustimmung des Familienvorstands. Und dies ist in diesem Fall Lee Junior, der Vize-Chairman des Konzerns, da sein Vater, der offiziell amtierende Chairman, seit einem Herzanfall im Mai 2014 handlungsunfähig ist.

Viele Anleger setzen allerdings weiterhin darauf, dass Samsung auch ohne Lee florieren wird. Schließlich ist er nicht der erste koreanische Konzernboss, der wegen Bestechung, Veruntreuung oder anderen Unsauberkeiten ins Gefängnis musste. Und bisher konnten die bezahlten Manager die Familienkonzerne immer weiterführen.

In Samsungs Fall kommt hinzu, dass viele wichtige Weichen bereits voriges Jahr gestellt wurden. Der acht Milliarden Euro teure Kauf des amerikanischen Autozulieferers Harman ist bereits beschlossene Sache. Überdies steht der Investitionsplan für das laufende Jahr. Vorerst kann der Konzern daher auch ohne Lee den Kurs halten.

Und da sieht es nicht schlecht aus. Explodierende Akkus und der Verkaufsstopp von Samsungs teuerstem Smartphone Galaxy Note 7 haben zwar die wichtige Mobilsparte hart getroffen. Aber der Preisboom bei Speicherchips und die Nachfrage nach Displays der nächsten Generation aus organischen Leuchtdioden (Oleds) könnten Samsung neue Rekordgewinne bescheren. Mittel- und langfristig kommt es für den Konzern allerdings darauf an, wie lange Lee Jae-yong im Gefängnis einsitzen muss.

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Martin Kölling, Handelsblatt-Redakteur und Korrespondent in Tokio. Quelle: privat
Martin Kölling
Handelsblatt / Asien-Korrespondent

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