Ab dann gilt das Motto: Die Ernte der zuweilen teuren Entwicklung und Programmierung wird eingefahren. Apotheker ist der erste reine Vertriebs-Experte an der Spitze des Technologiekonzerns. Für Jonathan Crozier, Analyst der WestLB, ist das ein Signal für einen echten Wandel im Stil des Unternehmens. "Nach unserer Ansicht wird Apotheker sich stärker auf die Ergebnisse und weniger auf Marktanteile und zusätzliches Wachstumspotenzial konzentrieren", prophezeit er.
Eine wahrscheinlich korrekte Einschätzung, wie die Hausmesse des Konzerns, die sogenannte Sapphire, in Berlin vor wenigen Tagen zeigt.
Zwar wolle er die Entwicklerbudgets nicht grundsätzlich kappen, aber doch auf ein Normalmaß zurückfahren, erklärt Apotheker dort selbstbewusst. Und verweist auf frühere Aussagen seines Kollegen Kagermann. Der assistiert sofort vom Nebentisch aus. "Wir haben im Durchschnitt über die Jahre immer etwa elf bis 11,5 Prozent unseres Umsatzes in die Entwicklung investiert, derzeit liegen wir bei 14 Prozent", ruft Kagermann herüber.
Immer schön harmonisch - das ist der andere Apotheker, einer der gerade lernt, vor allem aber auch bereit ist, zu lernen, was seine künftige Rolle alles mit sich bringt. Er weiß: Auf den letzten Metern noch einen Keil zwischen ihn und "dem Henning" treiben zu lassen, das wäre fatal. Immer wieder verweist er auf die Strategie und Ziele von "Henning", übt sich in Zurückhaltung. Dabei entspricht das so gar nicht seinem Naturell. Der Vertriebsprofi gilt als ungeduldig und drängend, hat sich die Diplomatie erst in den letzten Jahren zu eigen gemacht, vor allem seit 2002, seit er dem Vorstand angehört.
Doch zuweilen geht seine Ungeduld immer noch mit ihm durch. Es ist warm in dem Konferenzraum in Walldorf, die Luft ist stickig. Mehrere Duzend SAPler haben sich versammelt, es geht um die Vertriebsstrategie. Ein junger Kollege trägt vor.
Immer wieder fährt ihm Apotheker barsch ins Wort. Der Mitarbeiter wird von Mal zu Mal unsicherer, ist am Ende total am Boden zerstört. Gott sei Dank ist endlich Mittagspause. Ein Managementkollege von Apotheker hat die Situation beobachtet, spricht Apotheker in der Pause an. "Das war zu heftig, Leo, zu viel, was du da gemacht hast", raunt er ihm zu. Nach der Pause stellt sich Apotheker vor die versammelte Mannschaft und entschuldigt sich für sein Verhalten. Die Kollegen sind baff vor Staunen.
Lesen Sie weiter auf Seite 3: "Er hat gelernt, dass man auch zuhöhren muss"

