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03.06.2008 

"Sein einziges Problem ist die richtige Balance zwischen viel und zu viel fordern. Hier ist er gnadenlos zu sich, aber eben auch zu anderen", sagt ein hochrangiger Managerkollege. Das müsse man ihm immer wieder sagen, das könne man ihm aber auch sagen. "Der jüngere Leo war deutlich kämpferischer. In den letzten Jahren ist er aber enorm gereift, hat gelernt, dass man als Vorstand auch zuhören muss." Früher, da waren zum Beispiel die Entwickler für den leidenschaftlichen Tennisspieler und Lesefan nicht mehr als eine Abteilung, die zu liefern hatte. "Heute weiß Leo, dass das Liefern nicht immer so einfach ist", sagt ein SAPler. Dennoch hat die Berufung Apothekers vor allem in der Entwicklung für Unsicherheit gesorgt. So recht wisse man nicht, welche Rolle die Forschung an neuen Produkten künftig noch spielen werde, heißt es in den Laboren. Andere geben sich gelassener: "Er hat hier mal einen Vortrag vor dem Entwicklerteam gehalten. Das war sehr gut, er hat sich tief eingearbeitet", sagt ein Programmierer.

Der 55-jährige Apotheker will eben nicht so recht in eine der typischen Software-Schubladen passen. Einerseits ist er impulsiver, aggressiver als der stets ruhige, sachliche und eher zurückhaltende Kagermann. Andererseits kann und will er mit seinem Charisma nicht an den SAP-Mitgründer und-Übervater Hasso Plattner heranreichen, der mit seiner Spontanität und Kreativität den Softwarekonzern über Jahrzehnte dominierte, ihn noch heute beeinflusst.

Apotheker ist eher eine Art Grandseigneur der Software-Industrie. Der Fan guter Rotweine weiß, wie man sich perfekt verhält, egal, wie groß die Bühne ist, die er betritt. Fünf Sprachen spricht der Kosmopolit, der in Aachen geboren und in Antwerpen aufgewachsen ist, fließend, darunter Hebräisch, die Sprache der jüdischen Eltern. Seinen leicht nuschelnden Tonfall, die manchmal bizarre Mischung der Vokabeln unterschiedlicher Sprachprägungen mögen zuweilen unverständlich sein. Man verzeiht sie dem sympathischen und weltgewandten Manager nur allzu gerne.

Für viele symbolisiert Apotheker die neue Generation der CEOs in der Software-Branche. Die Garde der Gründer wie Plattner oder Erzrivale Larry Ellison von Oracle, die sich nicht nur beim Kampf um Kunden, sondern auch auf hoher See mit millionenschweren Jachten einen Wettstreit geliefert haben, steht vor dem Abschied - ein klares Indiz dafür, dass die Software-Branche erwachsen wird.

Vielleicht, so wird sich auch Plattner gedacht haben, ist ein Vertriebsprofi wie Apotheker für eine solche neue Phase genau der richtige Mann. "Er ist ein sehr intelligenter Kopf, der die Dinge enorm schnell auffassen kann", beschreibt ein Vertriebskollege seinen derzeitigen Chef.

Apothekers Analyse der Situation von SAP scheint auf jeden Fall weitgehend abgeschlossen zu sein. Vor allem eine Baustelle hat er ausgemacht: den miserablen Aktienkurs. Kostete das SAP-Papier Anfang 2006 noch fast 47 Euro, liegt der Kurs derzeit bei nur noch 35 Euro. "SAP hat weitgehend zufriedene Kunden, Mitarbeiter und Partner, nur eine Gruppe ist unzufrieden, das sind die Shareholder. Das will Leo ändern", sagt ein SAP-Manager.

Unterstützung dafür hat sich Apotheker bereits gesichert, auch im Topmanagement. Mit Erwin Gunst, bislang für die Region Europa, Mittlerer Osten und Afrika (EMEA) zuständig und demnächst Chief Operating Officer, hat er sich eine Führungskraft ins Management geholt, die ähnlich tickt wie er. "Mehr aus SAP machen, das ist etwas, was uns beide verbindet", sagt Gunst. Und fügt hinzu: "SAP ist ein gut gemanagtes Unternehmen, sonst wären wir nicht dort, wo wir heute sind. Das heißt aber nicht, dass man nicht noch einiges besser machen könnte."

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Ein Mann, viele Aufgaben

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