SAP-Chef Henning Kagermann
„Eine Akquisition kann besser sein“

Der Vorstandsvorsitzende des Softwarekonzerns SAP schließt im Handelsblatt-Gespräch große Übernahmen nicht aus. Die aktuelle Debatte über den Kapitalismus und Verfehlungen von Manangern ist für seinen Geschmack aber zu emotional.

Handelsblatt: Microsoft will Yahoo, Oracle kauft alles, was nicht bei drei auf den Bäumen ist, SAP übernimmt Business Objects für 4,8 Milliarden Euro. Vertrauen die IT-Konzerne ihrer eigenen Innovationskraft nicht mehr?

Henning Kagermann: SAP wächst mit Innovationen weiterhin stark aus eigener Kraft. Schauen Sie sich das Beispiel Mittelstand an: Mit Business By Design haben wir ein völlig neues Produkt für den Mittelstand entwickelt. Die Welt ist schneller geworden, so dass wir versuchen müssen, einen vernünftigen Mix aus interner und offener Innovation hinzubekommen. Offene Innovation kann mit Partnern geschehen. Man darf sich aber auch nicht davor verschließen, Innovation durch Akquisition einzukaufen. Das haben wir immer so gehandhabt.

Geht es bei Ihren Akquisitionen nur darum, Lücken jenseits des Kerngeschäfts zu schließen?

Wir haben in unserem Kerngeschäft unsere Hausaufgaben gemacht. Schauen Sie sich den Erfolg der SAP an. Wir haben seit 18 Quartalen ein zweistelliges Wachstum erreicht, und zwar organisch. Und wir gehen im Kernbereich davon aus, dass wir mit eigenen Innovationen sehr stark sind. Aber wir sehen auch neue Geschäftsfelder. Und bei Themen, in die man später als andere einsteigt, kann es sein, dass die Eigenentwicklung zu lange dauern würde. Da kann eine Akquisition der bessere Weg sein, um schnell an die Spitze zu kommen.

Für Ihre neue Mittelstandssoftware haben Sie auf eine Eigenentwicklung gesetzt, obwohl es ein völlig neues Geschäftsmodell ist: das Nutzen von Software über das Internet. Warum?

Business By Design haben wir selbst entwickelt, weil wir glauben, dass wir besser als andere Unternehmen wissen, wie man Geschäfte und ihre Prozesse abbildet. Natürlich hätten wir bei diesem Geschäftsmodell auch nach draußen schauen können, sofern die Firmen dort profitabel sind. Nur sind die Firmen derzeit nicht so profitabel, dass man sagen kann: Die haben es richtig gemacht. Darüber hinaus lässt sich ein Unternehmen mit einem Produkt wie Business By Design am Markt nicht akquirieren.

Also kam der Internetspezialist Salesforce nicht infrage. Welche Bereiche schauen Sie sich denn gerade an?

Wir gehen stets die gesamte Produkt-Plattform durch, weil sich die Themen ständig erweitern. Vor kurzem haben wir eine indische Software-Firma gekauft, die sich auf Programme für das Management von Unternehmensregeln spezialisiert hat. Solche Ergänzungen durch sehr spezifisches Know-how werden immer wieder sinnvoll sein.

Also werden wir bei SAP mittelgroße Zukäufe sehen, nicht mehr milliardenschwere Übernahmen wie Business Objects?

Wir müssen das Unternehmen jetzt erst einmal vernünftig integrieren, dann schauen wir weiter. Außerdem reden wir nicht vorher über große Transaktionen. Eine freundliche Übernahme wie bei Business Objects bereitet man intern sehr sorgfältig vor, damit alles reibungslos läuft, und geht dann damit in die Öffentlichkeit. Solche Sachen kommen immer überraschend, vielleicht auch für SAP-Kenner, die dann sofort einen Kurswechsel vermuten.

War es denn einer?

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