SAP
Einigung im Oracle-Prozess?

Der Streit zwischen den Rivalen SAP und Oracle könnte beigelegt worden sein. Nach einem Agenturbericht soll der deutsche Konzern 120 Millionen Dollar an Oracle zahlen. Noch ist die Einigung aber nicht perfekt.
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HB SAN FRANCISCO. Nach einem jahrelangen Schlagabtausch sind die beiden Kontrahenten SAP und Oracle vor Gericht einen Schritt aufeinander zugegangen. „Es gibt eine Vereinbarung“, sagte ein SAP-Sprecher am Mittwoch der Nachrichtenagentur dpa. Über den Inhalt sei jedoch Stillschweigen vereinbart worden. Weiter wollte sich der Sprecher deshalb nicht äußern.

In dem Prozess um Industriespionage zwischen SAP und seinem US-Rivalen Oracle haben sich die beiden Softwarefirmen offenbar teilweise geeinigt. SAP habe zugestimmt, 120 Mio. Dollar an Oracle zu zahlen, erfuhr Reuters am Mittwoch aus mit der Sache vertrauten Kreisen. Im Gegenzug verzichte Oracle darauf, von SAP Strafzahlungen zu fordern. Beide Unternehmen waren zunächst nicht für eine Stellungnahme erreichbar. Einer Einigung müsste den Kreisen zufolge noch die zuständige Richterin zustimmen.

Das Thema Strafzahlung - bei der es um eine Geldbuße für einen Rechtsbruch geht - ist allerdings nur ein Teil des Prozesses. Daneben geht es auch um Kompensationszahlungen, also den Ersatz für einen tatsächlich aufgetretenen Schaden.

Der Aufsehen erregende Prozess hatte am Montag in den USA begonnen. Dabei geht es neben Industriespionage auch um Schadenersatz für Diebstahl von geistigem Eigentum. Oracle hatte die Vorwürfe erstmals vor dreieinhalb Jahren öffentlich erhoben.

SAP hat die Verfehlungen inzwischen grundsätzlich eingeräumt, eine von Oracle geforderte Milliardensumme aber als völlig überhöht bezeichnet. Es gehe eher um einen zweistelligen Millionenbetrag, hatte SAP erklärt. Oracle hat in dem Streit auch den neuen Chef von Hewlett-Packard, Leo Apotheker, geladen. Apotheker war bis Anfang 2010 SAP-Vorstandssprecher.

Auslöser für Oracle-Klage war die Softwarefirma TomorrowNow, ein kleines Unternehmen aus Texas. SAP hatte den auf die Wartung von Software spezialisierten Dienstleister Anfang 2005 für zehn Mio. Dollar gekauft, um Oracle nach dessen Übernahme von PeopleSoft möglichst viele lukrative Firmenkunden abspenstig zu machen. SAP und TomorrowNow lockten verunsicherte Nutzer von PeopleSoft mit Dumping-Angeboten für Software-Wartung. Letztlich sollten die Kunden mit hohen Rabatten ins SAP-Lager wechseln.

TomorrowNow schoss aber deutlich über das Ziel hinaus, wie SAP später - nach anfänglichen Dementis - einräumte. Denn im Rahmen der Wartungstätigkeit für gut 200 Kunden kam es durch TomorrowNow-Mitarbeiter zu umfangreichen und unzulässigen Datentransfers von Oracle-Rechnern, was der US-Konzern als Software-Diebstahl, Spionage und Betrug im großen Stil wertete und Klage erhob.

Nach dem Fiasko kündigte SAP Mitte 2008 die Schließung der Tochter TomorrowNow an, die nie Gewinne erwirtschaftete, aber der Mutter viel Ärger einbrockte. Nachdem das SAP-Management in den vergangenen Jahren Rechtsverstöße von TomorrowNow scheibchenweise zugegeben hatte, übernahm der Konzern vor wenigen Wochen letztlich die Verantwortung für die Fehltritte.

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